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Ein Beispiel für gelungene Kooperation

 

„We come from“

Ein multikulturelles Projekt für Jugendliche in der Grafschaft Bentheim

 

Das Projekt

Was heißt „Hoe gaat het met jou?“ Was kocht man in Russland? Wie feiert man in Polen Weihnachten? Warum ist die deutsche Flagge schwarz/rot/gold? Seid dabei und erfahrt mehr über  die jeweiligen Länder und erzählt uns aus eurem Land! – Dies ist die Einladung an Jugendliche aus Nordhorn und der Grafschaft Bentheim, im Rahmen von „We come from“ ihr Herkunftsland vorzustellen und andere Länder kennenzulernen. Die paritätische Mitgliedsorganisation Deutscher Kinderschutzbund Kreisverband Grafschaft Bentheim e.V. führt das sechsmonatige Projekt seit September 2014 im städtischen Jugendzentrum durch. Jeden Montag gibt es einen anderen Workshop, in dem sich die Jugendlichen mit Sprache, Kochen, Tanz, Musik oder anderen landestypischen Dingen beschäftigen. Die Länder Niederlande, Türkei, Russland, Polen und Deutschland wurden bewusst gewählt. Aus diesen Ländern gibt es die meisten Zuwanderungen in der Region. Jedem Land wird ein Monat gewidmet. Der letzte Monat bleibt offen, hier setzt der Kinderschutzbund auf Partizipation der Jugendlichen. Sie sollen ein Wunschland wählen und an der Umsetzung mitwirken.

 

Das Kinderrecht auf Beteiligung wird besprochen und gelebt. Eventuelle unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf die jeweilige Kultur sollen aufgezeigt werden. „Wichtig erscheint uns, dass es nicht um eine Zu- und Festschreibung von landesspezifischen Stereotypen geht, sondern um eine bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln und der Identität“, sagt Projektleiterin Amelie Kerkdyk. Unterschiede und Gemeinsamkeiten werden entdeckt. Zu jedem Land wird die jeweilige Flagge gestaltet. Sie symbolisiert das Ländermotto des Monats und bleibt während der Zeit im Jugendzentrum hängen. Zum Abschluss werden alle Länderflaggen bei einem Kulturfest präsentiert. Wie und in welcher Form ist offen. Hier ist die Ideenentwicklung der Jugendlichen gefordert.

 

Wie kam es dazu?

Der Kinderschutzbund führt seit zwei Jahren einmal wöchentlich die Betreuung im offenen Treff des Jugendzentrums durch. Hier fiel auf, dass es eine große Hemmschwelle und Vorurteile gegenüber fremden Kulturen gab. Durch Aktivitäten wie Kochen oder Tanzen können die Besucher des Jugendzentrums sich identifizieren. Diese Angebote werden gerne und immer wieder angenommen. So entstand die Idee des Projektes. Im bereits bestehenden offenen Treff des Jugendzentrums können Jugendliche das zusätzliche Angebot kostenlos und ohne Anmeldung nutzen und mitgestalten, in dem sie ihre individuellen Fähigkeiten einbringen. Jugendliche aus sozialräumlich benachteiligten Nachbarschaften fühlen sich akzeptiert und angenommen. Durch die eigene Mitwirkung und Partizipation finden sie Wege aus der sozialen Benachteiligung, da sie kaum durch Sport oder andere Bildungsangebote strukturiert ihren Alltag leben. Die pädagogische Betreuung in ihrer  Freizeitgestaltung gibt ihnen jedoch die Möglichkeit, ihre Sozialkompetenzen besser zu entwickeln.

 

Wie hat es den Kindern gefallen? Ein Interview zum Mottomonat „Russland“:

Wie findest du das Projekt?

Salome: „Schön. Ich habe sonst keinen Bezug zu Russland, nur hier im Jugendzentrum.“

Hast du schon mal was russisches gegessen?

Joelina: „Pelmeni, hier letzte Woche. Voll lecker!“

Kennst du russische Kinder?

Kevin: „Ja, aus meiner Klasse.“

Aus welchem Land kommst du?

David: „Zur Hälfte aus Deutschland, ein Viertel aus Russland und ein Viertel aus Polen.“

Was fällt dir zu Russland ein?

Joelle: Dort gibt es eine andere Sprache, die Buchstaben werden anders geschrieben.

 

Finanzierung

Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen vom Förderprogramm Kultur macht STARK, Bündnisse für Bildung. Das paritätische Rahmenkonzept „Förderung von außerschulischen Maßnahmen. Ich bin HIER“ bot ideale Bedingungen, um das Projekt zu finanzieren. Schnell konnte ein Bündnis zwischen dem Kinderschutzbund, der Stadt Nordhorn und dem Paritätischen Kreisverband Grafschaft Bentheim geschmiedet werden.

 

Anja Jankowsky

Geschäftsführerin

Deutscher Kinderschutzbund

KV Grafschaft Bentheim e.V.