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PMS 17/10 v. 20.04.2010

Verbandsrat des Paritätischen warnt: Fachkräftemangel spitzt sich zu – Bedingungen für soziale Berufe müssen besser werden!

Der Verbandsrat des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Niedersachsen e.V. äußert seine Besorgnis im Hinblick auf den zunehmenden Mangel an Fachkräften in Pflege- und Erziehungsberufen. „Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, wird es künftig noch schwieriger sein, junge Menschen für die Ausbildung in Pflegeberufen zu gewinnen“, sagt Verbandsratsvorsitzender Horst Hüther. Die von den Kostenträgern geschaffenen Rahmenbedingungen wie verhältnismäßig schlechte Bezahlung, ein zu geringes gesellschaftliches Ansehen der Berufe und die mangelnde finanzielle Unterstützung von Qualifizierungsmaßnahmen lassen junge Menschen davor zurückschrecken, sich zur Fachkraft in sozialen Berufen ausbilden zu lassen – dabei werden sie mehr gebraucht denn je. Denn der Fachkräftemangel wird sich in verschiedenen Bereichen der Sozialbranche in den nächsten Jahren dramatisch zuspitzen.

Im Bereich der Pflege wird derzeit von einer jährlichen Steigerung des Fachkräftsbedarfs um drei Prozent ausgegangen. 2020 werden 3,5 von 100 Menschen für die Pflege und Betreuung Pflegebdürftiger benötigt. 2050 wird dieser Anteil bereits bei 9,4 pro 100 liegen. Gleichzeitig hat sich bereits in den vergangenen Jahren bei den Ausbildungsplätzen das Verhältnis von Bewerbern zu freien Plätzen gravierend verschlechtert. „Die Pflegeausbildung muss attraktiver werden, sie muss in der Gesellschaft den Respekt erfahren, der ihr zusteht, und die Kostenträger müssen die Voraussetzung schaffen, dass die Pflegekräfte auch angemessen vergütet werden“, fordert Hüther.

Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird, werden in der nahen Zukunft Hunderttausende qualifizierte Pflegekräfte in einer Gesellschaft fehlen, deren Pflegebedarf angesichts des demografischen Wandels und der Altersstruktur künftig weiter ansteigen wird.

Ähnlich dramatisch stellt sich die Situation bei der Versorgung der Jüngsten unserer Gesellschaft dar. Bereits jetzt führt der überdurchschnittliche Anteil von älteren pädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen zu einem höheren Ersatzbedarf, der auch durch eine sinkende Kinderzahl nicht ausgeglichen werden kann. Einer Studie des Paritätischen zufolge wird der geplante – und dringend notwendige – Ausbau des Betreuungsangebots für Kinder unter drei Jahren zu einem zusätzlichen Bedarf von rund 5800 Fachkräften pro Jahr führen.

Der Verbandsrat fordert die Politik daher auf, die Rahmenbedingungen für diese so wichtigen Berufsgruppen dringend zu ändern. Bund, Länder, Kommunen und Träger sind aufgefordert, ein gesellschaftliches Umfeld zu schaffen, das den Fachkräftemangel abmindern kann. Der Weg in die Berufe muss einfach sein: Beschäftigungsbarrieren sollten abgebaut, Wieder- und Quereinstiege unkomplizierter werden. Der Beruf selbst muss attraktiver sein: Die Vergütung sollte angehoben, Qualifizerungsprogramme sollten angeboten werden. Gleichzeitig ist die Gesellschaft dazu aufgefordert, den sozialen Fachkräften die Wertschätzung entgegenzubringen, die diese Berufe angesichts ihrer Arbeit für das Gemeinwohl verdienen.

„Ohne eine entsprechende Aufwertung wird es schwer, engagierte Nachwuchskräfte für diese vielfältigen und anspruchsvollen Aufgaben zu gewinnen“, sagt Hüther.