Kreisverband:
Mitgliederbereich
Wir in Ihrer Nähe

PMS 03/11 v. 31.01.2011
Klaus Lachwitz referiert auf der Paritätischen Jahreskonferenz 2011 zum Thema Inklusion

Paritätischer diskutiert Auswirkungen und Chancen der UN-Behindertenrechtskonvention: „Inklusion ist zukunftsweisendes Thema!“

Es ist ein brandaktuelles Thema, das Menschen mit Behinderungen eine barrierefreie Teilhabe am Leben in der Gesellschaft ermöglichen soll: Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und die damit verbundene Inklusion. Um Chancen und Möglichkeiten der Konvention abzuwägen, hat der Paritätische Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. seine diesjährige traditionelle Jahreskonferenz unter das Motto „Inklusion - Theorie trifft Praxis: Die Geschichte vom Ende der Ausgrenzung“ gestellt. Zwei Tage lang berieten und diskutierten Vorstand, Verbandsrat und rund 80 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Paritätischen in der vergangenen Woche in Barsinghausen. „Das Thema ,Inklusion‘ ist zukunftsweisend und gerade sehr aktuell, wir wollen hinterfragen, was die Inklusion den Menschen mit Behinderungen wirklich bringt, wann die inklusive Gesellschaft ohne alle Barrieren endlich anfängt und wann sie vollständig umgesetzt werden kann“, sagt Cornelia Rundt, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Niedersachsen e.V..

Neben einer Podiumsdiskussion mit Betroffenen und verschiedenen Fachvorträgen zum Thema standen dabei vor allem die Ausführungen von Klaus Lachwitz im Mittelpunkt der Konferenz. Der Bundesgeschäftsführer der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. ist im vergangenen Jahr als erster Deutscher zum Präsidenten von Inlcusion International gewählt worden, einer Vereinigung, die sich seit 50 Jahren weltweit für die Rechte von Menschen mit geistiger Behinderung einsetzt. „Es ist wichtig, die Bedeutung der Konvention deutlich zu machen, denn durch die Ratifikation erhält dieser Vertrag den Rang eines deutschen Gesetzes“, sagte Klaus Lachwitz.

Die Umsetzung würde jedoch vielerorts an Unkenntnis und falschen Qualifikationen scheitern. Beispiel Bildung: Zwar hat, laut Artikel 24 der Konvention, jedes Kind das Recht auf inklusive Bildung. Doch noch sind zu wenige Schulen darauf vorbereitet, ein behindertes Kind aufzunehmen und qualifiziert zu betreuen. Viele Eltern würden daher vor diesem Schritt zurückschrecken, obwohl das Gesetz auf ihrer Seite ist. Zu groß sei die Angst, das Kind in der Schule ungewollt zu einem Außenseiter zu machen. „Solange die Kultusminister so tun, als wenn sie inklusiv arbeiten, aber keine entsprechenden Mittel zur Verfügung stellen, solange wird das nichts werden“, erklärte Klaus Lachwitz.

Auch im Bereich Wohnen ist noch viel Arbeit zur Umsetzung der Konvention nötig. Sie besagt, dass jeder behinderte Mensch selbst bestimmen kann wie, wo und in welcher Form er wohnen möchte. „Aber es ist nicht damit getan, das ins Gesetz zu schreiben“, sagte Klaus Lachwitz. Der Gesetzgeber müsse den nötigen Sozialraum schaffen, die Gemeinden müssen sich anpassen, damit Menschen mit Behinderungen nicht in die Isolation geraten. Eine Forderung, die nicht nur Menschen mit Behinderungen betrifft: Denn auch für viele ältere Menschen kann es ein Problem darstellen, ob eine Gemeinde barrierefrei gestaltet ist oder nicht.

Für die Umsetzung der Konvention im Arbeitsbereich gibt es bislang kaum Konzepte zur Gestaltung eines behindertengerechten Arbeitsumfeldes, auch die Finanzierung von Arbeitsassistenzen ist offen.  Die Bedeutung bereits bestehender Angebote dürfe jedoch nicht unterschätzt werden: „Die Abschaffung von Werkstätten würde für viele Arbeitslosigkeit und nicht automatisch den Zugang zum freien Arbeitsmarkt bedeuten.“

Abschließend bat Klaus Lachwitz um Geduld: Die Umsetzung der Konvention sei ein Lernprozess für alle Beteiligten. „Von selbst setzt sich nichts durch, wir brauchen eine starke Lobby, und die Lobby sind wir“, erklärte er.