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PMS 12/11 v. 05.04.2011
Gesprächsrunde auf der Jubiläumsfeier: Sebastian Böstel, Vorstand des Paritätischen Niedersachsen (v.l.), Ralf Hohfeld, Geschäftsführer des Paritätischen Hannover, Aygül Özkan, niedersächsische Sozialministerin, Thomas Hermann, Referent im nds. Sozialministerium und Cornelia Rundt, Vorstand des Paritätischen Niedersachsen.

Paritätischer feiert 25 Jahre Kontakt- und Beratungsstellen für Selbsthilfe

Sie sind Orte der Kooperation und Vernetzung im sozialen Feld, bringen Menschen zusammen, die Gleichgesinnte und Betroffene suchen, und stärken die Selbstbestimmung und Eigenverantwortung von Personen und Gruppen: Seit 25 Jahren sind die Selbsthilfe- und Kontaktstellen für Selbsthilfe im Paritätischen Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. wichtiger Ansprechpartner für Selbsthilfeorganisationen und -gruppen. Das 25-jährige Jubiläum seiner Kontaktstellen hat der Paritätische Niedersachsen am gestrigen Montagabend mit 250 Gästen aus Verband, Politik, und Verwaltung, darunter die niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan und viel regionale Prominenz, sowie Vertretern vieler Selbsthilfeorganisationen und -gruppen im Haus der Region in Hannover gefeiert. 

„25 Jahre der Kontakt- und Beratungsstellen für Selbsthilfe heißt: Vieles erreicht haben und dafür dankbar sein“, begrüßte Cornelia Rundt, Vorstand des Paritätischen Niedersachsen, die Gäste. Die Einrichtungen, die vor 25 Jahren als erste  Anlaufstationen für Selbsthilfegruppen geschaffen wurde, sind mittlerweile zu einer etablierten Hilfestruktur für den Selbsthilfebereich geworden, die seit 1990 auch vom Land Niedersachsen gefördert wird. „Es freut mich, dass die langjährige Förderung des Landes Niedersachsen zu dieser positiven Entwicklung der Selbsthilfeunterstützung beigetragen hat“, sagte die niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan in ihrem Grußwort. „Mit Ihrer Arbeit haben Sie zu einem tollen Klima in Niedersachsen beigetragen, ich wünsche mir, dass wir das gemeinsam fortsetzen können“, erklärte die Ministerin.

„Ich habe sehr großen Respekt vor der Kompetenz, die dazu beiträgt, dass das Leben für uns alle etwas lebenswerter wird“, sagte Erwin Jordan, Regionsrat der Region Hannover, über das Engagement der Kontaktstellen. Und Bernd Strauch, Bürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, ergänzte: „In einer Großstadt ist Selbsthilfe etwas, das wir niemals missen könnten.“

Selbsthilfearbeit und -förderung waren von Anbeginn Programm und Auftrag des Paritätischen Niedersachsen. „Von Beginn der Schwerpunktarbeit in der Selbsthilfe an wurde deutlich, dass Selbsthilfeförderung, wenn sie an den Bedürfnissen der Menschen und Gruppen stark orientiert sein will, strukturiert und planvoll organisiert werden muss. Das war die Geburtsstunde der ersten Kontakt- und Beratungsstellen für Selbsthilfegruppen in Hameln, Lüneburg, Nienburg und Hannover als eigenständige und profilierte Bereiche sozialer Arbeit“,  berichtete Cornelia Rundt von der Gründung der ersten paritätischen Kontakt- und Beratungsstellen in Niedersachsen.

Mittlerweile arbeiten im Paritätischen 29 spezifische Kontakt- und Beratungsstellen für Selbsthilfegruppen, weitere Selbsthilfeförderung findet in den Paritätischen Sozialzentren in ganz Niedersachsen als orginäre Verbandsaufgabe statt. Sie sind Ansprechpartner und Orte der Vernetzung für die mehr als 4.500 regional engagierten und verankerten Selbsthilfegruppen unter dem Dach des Paritätischen, in denen sich mehr als 80.000 Bürgerinnen und Bürger zusammengeschlossen haben. „Die Selbsthilfe hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Partner im Gesundheitssystem gewandelt und wird als vierte Säule im Gesundheitssystem bezeichnet“, sagte Dorothea Pitschnau-Michel, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft e.V. und Vorsitzende des Sprechergremiums des Fachbereichs Selbsthilfe im Paritätischen. Sie warnte eindringlich davor, die Selbsthilfearbeit zu sehr zu verrechtlichen und forderte, die Verwaltung und den Zugang für die Betroffenen möglichst einfach zu gestalten: „Das Verfahren ist an vielen Stellen immer noch viel zu bürokratisch“, kritisierte Dorothea Pitschnau-Michel.

Auch wenn sich die politische und öffentliche Meinung zur Selbsthilfe in den vergangenen 25 Jahren zum Positiven gewandelt hat, so ist die Struktur der Selbsthilfeförderung in Niedersachsen trotz aller Anstrengungen des Paritätischen nach wie vor zu schwach entwickelt. „Wir haben weder ein flächendeckendes noch ein personell hinreichendes Angebot, um insbesondere den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. Da wollen und können wir also noch einiges erreichen“, sagte Cornelia Rundt. Gleiches gilt für den Bereich der Selbsthilfe von und für Menschen mit Migrationshintergrund, der dringend der Beratung, Unterstützung und Vernetzung mit den bestehenden Angeboten bedarf. „Dieser Bereich ist ein weites, ein wichtiges und ein zur Zeit noch ungenügend aufgestelltes Feld, hier bleibt in den nächsten Jahren viel zu tun“, erklärte Cornelia Rundt.

Als Wunsch zum 25-jährigen Jubiläum seiner Kontakt- und Beratungsstellen für Selbsthilfegruppen hofft der Paritätische Niedersachsen, dass die finanzielle Förderung seitens des Landes Niedersachsen, der Landkreise und Städte sowie der Krankenkassen intensiviert wird. Vor allem von kommunaler Seite fordert der Paritätische für seine Selbsthilfekontakstellen künftig mehr Unterstützung.