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PMS 24/11 v. 25.07.2011

Bundesfreiwilligendienst und Freiwilliges Soziales Jahr trotz Vielzahl von Bewerbern in Gefahr!  Paritätischer: „Wir lassen uns nicht zum Sündenbock machen!“

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. kritisiert die Vorgehensweise des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hinsichtlich des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) aufs Schärfste. Nicht nur, dass wichtige Regelungen wie die Frage des Kindergelds nach wie vor nicht rechtssicher gesetzlich verankert sind, inzwischen haben die Verantwortlichen kurzfristig eine Kehrtwende bei den Rahmenbedingungen hingelegt, die die Arbeit der Freiwilligen gefährden. Hieß es noch bis Mitte Juni, künftig werden nur so viele Bundesfreiwillige bewilligt, wie Plätze im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) vergeben seien, so sind urplötzlich neue Quoten im Gespräch, die die bisherigen Vorgaben vollends konterkarieren und den Großteil der künftigen Fördergelder infrage stellen. Die Freiwilligen, Einrichtungen und Träger werden im Regen stehen gelassen, das Bundesministerium präsentiert sich als unzuverlässiger Kooperationspartner. „Es hat den Anschein, als solle die Verantwortung für den schleppenden Start des Bundesfreiwilligendienstes jetzt auf uns abgewälzt werden. Wir lassen uns nicht zum Sündenbock machen“, sagt Cornelia Rundt, Vorstand des Paritätischen Niedersachsen.

Das Bundesministerium hatte bei der kurzfristigen Abschaffung des Wehr- und Zivildienstes zunächst zweckoptimistisch einen Ansturm auf den Bundesfreiwilligendienst erwartet, aber kaum etwas dafür getan, um dieser Prognose gerecht zu werden. Eine halbherzige Werbekampagne, unklare Vorgaben etwa in Sachen Kindergeld und lange Zeit fehlende Formulare für Verträge haben dem Bemühen, die Lücke nach dem überhasteten Ende des Zivildienstes zu schließen, geschadet statt geholfen.

Dabei gibt es offensichtlich genügend Menschen, die bereit sind, einen Freiwilligendienst in Niedersachsen zu absolvieren. Dies belegen die Bewerberzahlen: Fast 1000 Freiwillige haben sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst unter dem Dach des Paritätischen Niedersachsen angemeldet. Um diese Bewerber vom Sinn und Zweck eines Freiwilligendienstes zu überzeugen, haben der Paritätische Niedersachsen, seine Mitgliedsorganisationen, Kreisverbände und Einsatzstellen im Vorfeld ihr Möglichstes getan, multimediale Werbekampagnen gestartet und Infoveranstaltungen durchgeführt. Bei der Verteilung der Freiwilligen auf die jeweiligen Dienste wird jedoch schnell deutlich, wohin die mangelhafte Informationspolitik des Bundesministeriums und die vielen offenen Fragen geführt haben: Beim Paritätischen Niedersachsen haben sich rund 800 Menschen für ein Freiwilliges Soziales Jahr, jedoch nur etwa 150 für einen Bundesfreiwilligendienst beworben.

Bis Mitte Juni passte dieses Verhältnis in die vom Bundesministerium geforderten Auflagen.  Die Förderung des BFD sei im Verhältnis 1:1 an die Besetzung von FSJ-Stellen gekoppelt, wurde von Beginn an erklärt. Der Paritätische Niedersachsen hat seinen Träger und Einsatzstellen daraufhin empfohlen, auf das FSJ zu setzen, um zukünftig auch BFD-Stellen gefördert zu bekommen. Nun sind - für den Paritätischen völlig überraschend und unverständlich - neue Quoten im Gespräch, Quoten, nach denen FSJ-Plätze künftig nur gefördert werden, wenn eine ausreichende Anzahl an BFD-Plätzen besetzt wurde. Diese Regelung soll kurzfristig gelten, obwohl alle Verträge für die Freiwilligen bereits verbindlich unter Dach und Fach sind. Für den Paritätischen Niedersachsen würde damit kurzfristig der überwiegende Teil der FSJ-Förderung wegbrechen.

„Fast täglich wird die Marschroute neu vorgegeben. Wir können uns auf nichts mehr verlassen“, sagt Cornelia Rundt. „Das Bundesministerium lässt uns, unsere Bewerber, unsere Träger und Einsatzstellen und nicht zuletzt die Menschen, denen das Engagement der Freiwilligen zugute kommen soll, komplett im Regen stehen.“ Der Paritätische Niedersachsen wird sich nicht in Rolle des Sündenbocks drängen lassen. Mit knapp 1000 Freiwilligen hat der Paritätische Niedersachsen eindrucksvoll bewiesen, dass das Engagement in der Bevölkerung vorhanden ist und genutzt werden kann. „Wir werden uns jetzt nicht den Schwarzen Peter für die Fehlplanung des Bundesministeriums zuschieben lassen“, sagt Cornelia Rundt. Sie hofft, dass politische Maßnahmen und verantwortungsbewußtes Handeln der Entscheidungsträger noch kurzfristige Lösungen ermöglichen und alle Freiwilligen, gleichgültig, ob als Bundesfreiwilligendienstler oder FSJ-ler, ihren Dienst für die Menschen und das Gemeinwohl antreten können.