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PMS 31/11 v. 19.09.2011

Kinder in Deutschland: Zwischen Armut und Prestigeobjekt

Anlässlich des Weltkindertags am Dienstag, 20. September, erinnert der Paritätische Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. daran, dass es für die Zukunft einer jeden Gesellschaft unabdingbar ist, Kindern Chancen und Perspektiven zu bieten, ihre Grundbedürfnisse zu sichern und ihnen die Freiräume einzuräumen, die sie zur Entfaltung brauchen. „Zu viele Kinder in Deutschland sind von Armut betroffen, gleichzeitig werden zu viele Kinder in Deutschland von ihren Eltern als Prestigeobjekt angesehen. Beide Fälle sind schlechte Voraussetzungen um Kindern eine möglichst unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen“, sagt Cornelia Rundt, Vorstand des Paritätischen Niedersachsen.

Etwa jedes fünfte Kind lebt in Deutschland in Armut. Neben geringeren Bildungschancen sind diese Kinder oft auch von der Teilhabe an kulturellen, sozialen und sportlichen Projekten ausgeschlossen. Das Bildungs- und Teilhabepaket, das die Chancen dieser Kinder auf Teilhabe eigentlich verbessern sollte, ist realitätsfern, viel zu bürokratisch und deutlich fiskalpolitsch orientiert. Der Paritätische hat dazu bereits mehrfach auf sein eigenes, weit unkomplizierteres Konzept „Kinder verdienen mehr!“ verwiesen, das unter anderem eine im Gesetz festgeschriebene Beitragsfreiheit bestimmter Maßnahmen (wie Ferienfreizeit oder Sportverein) für Kinder aus Familien mit geringem Einkommen vorschlägt.

Auf der anderen Seite der Skala leiden Kinder, vor allem aus besserverdienenden Familien, oft unter extremem Leistungsdruck. Neben möglichst besten Leistungen in der Schule sind es dabei auch musische, künstlerische oder sportliche Höchstleistungen, die manche Eltern ihren Kindern abverlangen und sie so viel zu früh unter zu großen Druck setzen. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und dürfen auch nicht als solche behandelt werden“, sagt Cornelia Rundt. Genausowenig sind Kinder eine Art „zweite Chance“ für die Eltern, ihrerseits verpasste Gelegenheiten sozusagen in der zweiten Generation aufzuholen.

„Kinder müssen Kinder sein dürfen“, fordert Cornelia Rundt. Die Gesellschaft muss dafür Sorge tragen, dass alle Kinder die gerechte Chance bekommen, eine möglichst unbeschwerte Kindheit zu verleben.  Sie muss bessere Voraussetzungen schaffen, um Kindern aller Einkommensschichten mehr Teilhabe zu ermöglichen. Eltern dürfen ihren eigenen Ehrgeiz nicht zu groß werden lassen, sondern müssen ihren Kindern altersbedingte Freiheiten und Freiräume einräumen.