Kreisverband:
Mitgliederbereich
Wir in Ihrer Nähe

PMS 22/13 v. 19.12.2013

Deutschland vor der Zerreißprobe: Paritätischer legt Armutsbericht 2013 vor

Vor der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und der sozialen Verödung ganzer Regionen warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband, Gesamtverband e.V., anlässlich der Veröffentlichung seines Armutsberichts 2013 am heutigen Donnerstag in Berlin. Mit 15,2 Prozent habe die Armut in Deutschland ein neues Rekordhoch erreicht, die soziale und regionale Zerrissenheit dabei dramatisch zugenommen. Gemeinsam mit der Nationalen Armutskonferenz fordert der Verband die gezielte finanzielle Förderung notleidender Kommunen sowie ein Paket von Maßnahmen zur Armutsbekämpfung und zum Erhalt der sozialen Infrastruktur vor Ort.

In Niedersachsen ist die Quote auch in diesem Jahr wieder gestiegen (2012: 16,0 %, 2011: 15,7 %, 2010: 15,3%) und liegt damit weiterhin über dem Bundesdurchschnitt. „Der erneute Anstieg der Quote belegt, dass die Maßnahmen zur Verringerung der Armut in Niedersachsen noch nicht ausreichen“, sagt Christian Boenisch, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Niedersachsen e.V. und warnt davor, sich von dem scheinbar moderaten Anstieg der Quote blenden zu lassen. „Fakt ist: Die Gefahr, zu verarmen, und das unverschuldet, wird beständig größer. Und diese schlimme Entwicklung muss dringend gestoppt werden.“

„Sämtliche positive Trends aus den letzten Jahren sind zum Stillstand gekommen oder haben sich gedreht. Die Kluft zwischen bundesdeutschen Wohlstandsregionen auf der einen und Armutsregionen auf der anderen Seite wächst stetig und deutlich. Deutschland war noch nie so gespalten wie heute“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Seit 2006 habe die Armut in Deutschland besorgniserregend von 14 auf nunmehr 15,2 Prozent zugenommen. Der Abstand zwischen dem Bundesland mit der geringsten Armutsquote (Baden-Württemberg: 11,1 %) und dem Letztplatzierten (Bremen: 23,1 %) habe sich vergrößert und betrage mittlerweile 12 Prozentpunkte.

Auch das Ausmaß der regionalen Zerrissenheit innerhalb der Bundesländer habe eine neue Qualität erreicht. Keine Entwarnung gebe es insbesondere für die „armutspolitische Problemregion Nummer 1“, das Ruhrgebiet. „Ganze Regionen befinden sich in Abwärtsspiralen aus wachsender Armut und wegbrechender Wirtschaftskraft. Hier brauchen wir eine gezielte finanzielle Förderung und soziale Programme, um der Verödung entgegenzuwirken“, so Ulrich Schneider.

Die Nationale Armutskonferenz (nak) bewertet die Befunde als alarmierend. „Der Bericht zeigt, dass wir in Deutschland weiter von einer chancengerechten Gesellschaft entfernt sind, als je zuvor“, so Sprecher Joachim Speicher. In einem Sechs-Punkte-Katalog fordert die Nationale Armutskonferenz zur Armutsbekämpfung unter anderem eine bedarfsgerechte Erhöhung der Hartz IV-Regelsätze, Beschäftigungsangebote für Langzeitarbeitslose sowie eine Stärkung des sozialen Wohnungsbaus. Gemeinsam kritisieren Schneider und Speicher den Verzicht der neuen Bundesregierung auf solidarische Steuerhöhungen für große Vermögen und Einkommen, um entsprechende Maßnahmen zu finanzieren.


Downloads: