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PMS 06/15 v. 09.02.2015

Schulassistenz darf kein Lückenfüller im Bildungswesen werden: Paritätischer Niedersachsen und Lebenshilfe Niedersachsen stellen gemeinsames Konzept vor

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. und die Lebenshilfe Landesverband Niedersachsen e.V. haben heute ein Positionspapier veröffentlicht, mit dem sie ihr gemeinsames Konzept zur Schulassistenz vorstellen. „Wir wollen daran mitwirken, die schulische Inklusion auf Grundlage der UN-Behindertenrechtskonvention in Niedersachsen wirkungsvoller und bedarfsgerechter zu gestalten. Schulassistenz darf kein Lückenfüller im Bildungswesen werden“, sagt Birgit Eckhardt, stellv. Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen. „Dem Arbeitsfeld Schulassistenz fehlt es an Standards und verbindlichen Regelungen. Unser zentrales Ziel ist eine landeseinheitliche Verbesserung der Teilhabechancen für Menschen mit Behinderungen“, ergänzt Holger Stolz, Landesgeschäftsführer der Lebenshilfe Niedersachsen.

Schulassistenzen umfassen alle Formen individueller Unterstützung, mit denen Kindern und Jugendlichen mit Behinderung der Schulbesuch im Rahmen der allgemeinen Schulpflicht ermöglicht werden kann. Der Bedarf hat sich in den letzten Jahren erheblich ausgeweitet: Allein von 2012 auf 2013 ist die Anzahl der Betreuungen von Lebenshilfe und Paritätischen um 26 % auf mehr als 2000 Assistenzen gestiegen. Trotz des hohen Bedarfs fehlt es dem Aufgabenfeld u.a. an verbindlichen Regelungen, Qualifizierungsanforderungen und allgemeinen Betreuungsstandards. Auch in Sachen Finanzierung bleiben viele Fragen ungeklärt. „Wir halten Standards im Sinne eines Landesrahmenvertrages daher für dringend erforderlich, um angemessene Teilhabe im Bildungssystem sicherzustellen“, sagt Birgit Eckhardt. „Gute und flexible Assistenzangebote mit fachlich und persönlich geeigneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind notwendig, damit Inklusion gelingen kann“, sagt Holger Stolz.

Zu den Standards der Schulassistenz, die der Paritätische Niedersachsen und die Lebenshilfe Niedersachsen in ihrem Positionspapier fordern, gehören u.a.:
 

  • eine gewissenhafte Auswahl der Mitarbeiter, die nicht nur persönlich geeignet und fachlich qualifiziert sein müssen, sondern, je nach individuellem Anforderungsprofil der Schüler, über spezielle Kompetenzen verfügen müssen
  • regelmäßige Fort- und Weiterbildungen für die Mitarbeiter
  • angemessene Rahmenbedingungen in der Schule, z.B. die Beteiligung der Mitarbeiter an Besprechungen oder Nutzung des Lehrerzimmers
  • eine angemessene Vergütung nach Tariflohn, die auch Vor- und Nachbereitungszeiten, Elternarbeiten, Teilnahme an Besprechungen u.ä. berücksichtigt.


Bei der Schulassistenz geht es um die Sicherstellung des Individualanspruchs nach dem SGB XII. Neben einer 1:1 Betreuung kann in manchen Fällen eine bedarfsgerechte Assistenz auch in einer schulbezogenen Poollösung realisiert werden.

„Wir stehen für ein konstruktives Miteinander von Schule, Eltern, Leistungsträgern, Anbietern und anderen Beteiligten – im Interesse aller Schüler“, sagt Birgit Eckhardt. Holger Stolz verweist auf die große Kompetenz und die verlässlichen Strukturen in Sachen Schulassistenz, die der Paritätische Niedersachsen und die Lebenshilfe Niedersachsen in den vergangenen Jahren aufgebaut haben: „Mit diesen konzeptionellen Überlegungen wollen wir die Schulassistenz nun weiterentwickeln.“ Das vollständige Papier „Schulassistenz – Eine Position des Paritätischen Niedersachsen und der Lebenshilfe Niedersachsen“ steht auf www.paritaetischer.de zum Download im pdf-Format bereit.