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PMS 21/15 v. 11.06.2015

Bundesweite Aktionswoche: Schuldnerberatung stellt prekäre Beschäftigung in den Mittelpunkt

Alljährlich findet im Juni die bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung statt, in diesem Jahr vom 15. bis 19. Juni mit dem Schwerpunkt „Arm und überschuldet - trotz Arbeit“. Im Mittelpunkt steht die Tatsache, dass Arbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigung und damit einhergehende Einkommensarmut eine Hauptursache für Überschuldung sind.

Unter prekärer Beschäftigung versteht man sogenannte atypische Beschäftigungsverhältnisse. Darunter werden Minijobs, befristete Arbeitsverträge, Teilzeitarbeit, Leiharbeit und dergleichen zusammengefasst. „Diese Beschäftigungsformen nehmen gegenüber dem sogenannten Normalarbeitsverhältnis stetig zu und sind mit geringerem Einkommen und schlechteren Berufsperspektiven verbunden. Viele Betroffene beziehen zusätzlich zu ihrem Einkommen aufstockende Sozialleistungen, da sonst ihr Bedarf nicht gedeckt werden kann“, sagt Birgit Eckhardt, Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Niedersachsen e.V., der in Niedersachsen in vier Kreisverbänden und sieben Mitgliedsorganisationen Schuldnerberatung anbietet. 

„Alle seriösen Untersuchungen zeigen, dass Ratsuchende mit unregelmäßigem oder geringem Einkommen viel schneller in finanzielle Krisen geraten“, betont Birgit Eckhardt. „Da können schon vergleichsweise geringfügige Ereignisse das Haushaltsbudget ins Wanken bringen.“ Aus diesem Grund fordert der Paritätische schon länger die bedarfsdeckende Erhöhung von Arbeitslosengeld II (dem sogenannten Hartz IV), die Wiedereinführung von einmaligen Leistungen für Reparaturen oder Anschaffungen sowie die fortlaufenden Überprüfung der Höhe des Mindestlohnes. Zudem müssen die Kosten für Strom aus dem Regelsatz für Hartz IV herausgenommen und durch eine ausreichende Energiepauschale ersetzt werden.

„Für die Schuldnerberatung sind die Bemühungen der Fachverbände, ein Recht auf Schuldnerberatung explizit im Sozialgesetzbuch zu verankern, ausserordentlich wichtig“, sagt Birgit Eckhardt. Diese Bemühungen stünden zwar erst am Anfang, würden aber jeder Person unabhängig vom Status als Beschäftigter, Unternehmer, Rentner oder Arbeitsloser, einen Rechtsanspruch gewähren. „Dies wäre ein enormer Fortschritt gegenüber der jetzigen Lage“, bekräftigt Birgit Eckhardt.

Die Aktionswoche wird jährlich von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände ausgerichtet, der auch der Paritätische Wohlfahrtsverband angehört. Weitere Informationen sind im Internet auf www.aktionswoche-schuldnerberatung.de erhältlich.