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PMS 37/15 v. 04.11.2015
Die Vertreterinnen und Vertreter der deutschen und polnischen Delegation bei der Projektvorstellung am 4.11.2015 in Hannover, von links: Krzysztof Balon, Fachberater Mittel- und Osteuropa Paritätischer Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V., Gunther Mühge, stellvertretender Vorsitzender Eilenriedestift e.V., Susanne Hartsuiker, Direktorin Eilenriedestift e.V., Aleksandra Kowalska, Direktorin des Regionalen Zentrums der Gesellschaftspolitik (ROPS), Günter Famulla, Vorsitzender Eilenriedestift e.V., Marzena Wodzińska, Mitglied des Vorstandes des Woiwodschaft Großpolen/Wielkopolska, Birgit Eckhardt, Vorsitzende Paritätischer Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V., Justyna Dutkiewicz, Direktorin sowie Renata Dobrzyńska, Programmleiterin des Großpolnischen Berufs- und Fortbildungszentrums Nr. 2 (WSCK).

Paritätischer und Eilenriedestift präsentieren innovatives Projekt zur binationalen Altenpflegeausbildung

Um dem demografischen Wandel und dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegen zu wirken, haben der Paritätische Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. und seine Mitgliedsorganisation Eilenriedestift e.V. gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern aus Poznan (Polen) ein Projekt entwickelt, das die Ausbildung von Fachkräften in der Altenpflege in beiden Ländern zukunftsfähiger machen soll. Im Rahmen eines dreitägigen Fachaustauschs in Hannover haben die Beteiligten aus beiden Ländern am Mittwoch, 4. November, das Projekt „Deutsch-Polnisches Kompetenzzentrum Pflege“ vorgestellt. „Wir stehen für Qualität und gute Arbeit in der Pflege und wollen mit diesem Projekt einen Weg aufzeigen, wie Fachkräfte beider Länder besser kooperieren, sich austauschen sowie von- und miteinander lernen können“, sagt Birgit Eckhardt, Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen.

Aktuell werden die Altenpflegeausbildungen in Deutschland und Polen nicht bilateral anerkannt. „In Zeiten des demografischen Wandels und Fachkräftemangels in der Pflege ist es schon fast fahrlässig, diese Chance des Austauschs von Fachpersonal, das international arbeiten will, zu unterbinden“, sagt Birgit Eckhardt. „Wir müssen polnischen Fachkräften die Möglichkeit geben, in Deutschland in ihrem Beruf zu arbeiten, ohne dass sie auf halblegale Notlösungen zurückgreifen zu müssen.“

Aus diesen Überlegungen entstand das deutsch-polnische Gemeinschaftsprojekt, das am 1.1.2016 startet. Die ersten zwei Jahre sind als Probephase angelegt, in denen die Vorbereitung, Durchführung und Evaluation eines deutsch-polnischen Ausbildungsgangs in der Altenpflege praktisch erprobt werden soll. Ab 2018 soll das „Deutsch-Polnische Kompetenzzentrum Pflege“ dann in die Dauerphase übergehen. Langfristiges Ziel soll es sein, die gemeinsame Altenpflegeausbildung so zu organisieren, das sowohl deutsche als auch polnische Fachkräfte einen Abschluss erzielen, der in beiden Ländern anerkannt wird.

„Wir wissen, dass wir eine Reihe von politischen und rechtlichen Hindernissen zu überwinden haben, damit die Abschlüsse dieser Ausbildung in beiden Ländern anerkannt werden“, sagt Günter Famulla, Vorsitzender des Eilenriedestifts. „Das wird nicht einfach, aber wir sind sehr zuversichtlich, dass wir das Projekt erfolgreich umsetzen werden.“ Auch Marzena Wodzińska, Mitglied des Vorstandes des Woiwodschaft Großpolen/Wielkopolska, ist optimistisch: „Ich glaube an den Erfolg dieses Projekts, denn beide Seiten engagieren sich konzeptionell und strategisch sowohl kurz- als auch langfristig.“ Die Woiwodschaftsmarschallin erklärt weiter: „Unsere Länder stehen vor der großen Herausforderung einer immer älter werdenden Gesellschaft, deswegen ist es sehr wichtig, die Altenpflegekräfte zu stärken. Ich bin überzeugt, dass dieses gemeinsame internationale Projekt der dualen Ausbildung dazu führen wird, das Interesse der jungen Menschen am Berufsbild Altenpflege zu wecken und den Beruf populärer zu machen.“

Bis zu fünf polnische Fachkräfte sollen zum Projektstart ihre Ausbildung im Eilenriedestift absolvieren. Weiterer Kooperationspartner ist die Anna-Siemsen-Schule in Hannover. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. unterstützt das Projekt zu großen Teilen finanziell und wird es fachlich und politisch begleiten. Über die Möglichkeiten einer Förderung durch EU-Mittel wird ebenso nachgedacht wie die künftige Öffnung des Projekts für Menschen mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung. „Wir werden um weitere Kooperationspartnern und Unterstützer werben und auch in den Diskurs mit dem Sozialministerium treten, um dieses innovative und zukunftsweisende Projekt schnell auf seinen guten Weg zu bringen“, sagt Birgit Eckhardt.