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PMS 40/15 v. 10.11.2015

Paritätischer unterstützt Kampagne „Betreuungsvereine verdienen mehr“

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. unterstützt die aktuelle Kampagne der Betreuungsvereine in Niedersachsen, mit der die Einrichtungen auf ihre existenzbedrohende Lage aufmerksam machen. „In den Betreuungsvereinen kümmern sich qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Überzeugung und Engagement um die ihnen anvertrauten Menschen“, erklärt Birgit Eckhardt, Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen, unter dessen Dach 14 Betreuungsvereine arbeiten. „Dass die Vergütung dieser Fachkräfte trotz steigender Fallzahlen seit 2005 nicht mehr angepasst wurde, bringt dieses wichtige soziale System in große Gefahr, weshalb wir die Kampagne der Betreuungsvereine ausdrücklich unterstützen.“ Die Kampagne im Wortlaut:

Seit 2005 ist das Vergütungssystem für rechtliche Betreuungen nicht mehr angepasst worden. Ein erheblicher Anteil der 58 anerkannten Betreuungsvereine in Niedersachsen – mit 360 hauptamtlichen Mitarbeitern und 10.000 Betreuungen pro Jahr – stehen an der Schwelle ihrer Existenz. In ihrer Kampagne machen die Betreuungsvereine in Niedersachsen vom 09. bis zum 14.11.2015 auf ihre Lage aufmerksam.

In den anerkannten Betreuungsvereinen übernehmen fachlich qualifizierte Mitarbeiter/innen rechtliche Betreuungen für Menschen, die aufgrund ihrer Lebenssituation und komplexen Problemlagen eine rechtliche Vertretung benötigen. Die Betreuungsvereine in Niedersachsen unterstützen zudem mehrere Tausend ehrenamtliche Betreuer/innen in ihrer Arbeit. Darüber hinaus beraten sie tausende Menschen zu Vorsorgevollmachten.

Betreuungsvereine sind jetzt in ihrer Existenz bedroht! Betreuungsvereine befinden sich in einem Dilemma: Der zeitliche Betreuungsbedarf im Einzelfall wird in der Vergütungsstruktur nicht ausreichend bedacht. Weder Tariferhöhungen noch steigende Sachkosten werden bei der Vergütung berücksichtigt. Hierfür ist eine Änderung des Betreuungsgesetzes notwendig. Das Ergebnis einer vom Bundesjustizministerium beschlossenen rechtstatsächlichen Erhebung zur „Qualität in der rechtlichen Betreuung“ kommt in 2018 für die Betreuungsvereine zu spät. Die Betreuungsvereine brauchen eine sofortige Erhöhung der Stundensätze für beruflich geführte rechtliche Betreuungen.

Durchschnittlich stehen für die Arbeit pro Betreuungsfall 3 Stunden im Monat zur Verfügung, die nach dem VBVG (Betreuer- und Vormündervergütungsgesetz) mit 44,- € pro Stunde vergütet werden. Diese Vergütung ist seit dem 01.07.2005 gleichbleibend und seit Jahren nicht mehr kostendeckend. Die Folge ist, dass Vereinsbetreuer/innen immer mehr rechtliche Betreuungen führen müssen. Mittlerweile führen Vereinsbetreuer/innen häufig weit über 50 Betreuungen. Die immer höher werdenden Fallzahlen beeinträchtigen die Qualität der Arbeit.

Wenn die Betreuungsvereine als kompetente Ansprechpartner/innen für ratsuchende Bürger/innen wegfallen und auch ehrenamtliche Betreuer nicht mehr in ihrer Arbeit unterstützen können kippt das soziale System und das Ehrenamt wird geschwächt. Das Vormünder- und Betreuungsvergütungsgesetz (VBVG) muss umgehend geändert werden. Für diese Gesetzesänderung bitten wir Sie um Ihre Unterstützung. Eine Bundesratsinitiative aus Niedersachsen ist notwendig.

Bitte denken Sie daran: Auch Sie oder Ihre Angehörigen können in die Situation kommen, die Hilfe eines Betreuungsvereins zu benötigen. Betreuungsvereine verdienen mehr!