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PMS 04/16 v. 23.02.2016

Zeit zu handeln:  Armutsbericht des Paritätischen – Situation in Niedersachsen bleibt angespannt

Trotz stabiler Wirtschaftslage und florierendem Arbeitsmarkt: Fast jeder sechste Niedersachse ist von Armut bedroht. Das ergibt sich aus dem aktuellen Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Die Armutsquote in Niedersachsen betrug demnach im Jahr 2014 15,8 Prozent, geringfügig mehr als im Bundesdurchschnitt (15,4 Prozent). Alleinerziehende, Erwerbslose sowie Rentnerinnen und Rentner sind nach wie vor die gefährdetsten Bevölkerungsgruppen. Große Familien mit drei und mehr Kindern und Menschen mit Migrationsgeschichte sind ebenfalls häufig von Armut bedroht.

Die Situation in Niedersachsen hat sich zuletzt kaum verändert.  Seit 2006 pendelt die Armutsquote im Land zwischen 15,3 und 16,1 Prozent. Die rot-grüne Landesregierung dürfe bei der Bekämpfung der Armut nicht nur auf Berlin verweisen, fordert die Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Niedersachsen, Birgit Eckhardt: „Viele Faktoren, die zu Armut führen, können hier vor Ort beeinflusst werden.“ Ein weiterer Ausbau der Kinderbetreuung etwa, vor allem im Ganztagsbereich, könne vor allem Frauen den Wiedereinstieg in die Vollzeitarbeit erleichtern – Teilzeitarbeit ist einer der größten Risikofaktoren für spätere Altersarmut. Gute Kindertagesstätten und gute Schulen seien außerdem der Schlüssel, um künftige Generationen vor Armut zu bewahren – und Bildungspolitik schließlich Ländersache.

Auch die Wohnungsbaupolitik spiele eine große Rolle bei der Prävention von Altersarmut: „Wer heute unverhältnismäßig viel Miete bezahlen muss, kann weniger für die Rente zur Seite legen“, sagt Birgit Eckhardt. Für Familien sei es vor allem in Ballungsgebieten schwierig, bezahlbare Wohnungen zu finden. Die Vorsitzende des Landesverbandes fordert auch gemeinsame Anstrengungen von Bund und Land, um den Wirtschaftsstandort Niedersachsen noch attraktiver zu gestalten. Nur so könnten zum Beispiel Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit gelangen. „Der Paritätische fordert schon seit Langem, die öffentlich geförderte Beschäftigung für diese Personengruppe wieder auszubauen“, sagt Birgit Eckhardt. Auch die Integration der vielen Flüchtlinge könne nur über den Zugang zum Arbeitsmarkt gelingen. Im aktuellen Armutsbericht, der sich auf das Jahr 2014 bezieht, spielen die Flüchtlinge noch keine große Rolle. Ob sich der zum Jahresbeginn 2015 eingeführte Mindestlohn und der weiter stabile Arbeitsmarkt auf die Armutsquoten auswirken, wird sich ebenfalls erst im nächsten Armutsbericht zeigen.

Ausdrücklich weist der Paritätische in seinem Armutsbericht darauf hin, dass in den Daten die relative Armut gemessen werde – als relativ Arme gelten Menschen, denen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in Deutschland zur Verfügung stehen. „Wir reden nicht darüber, dass in Deutschland, in Niedersachsen, Menschen verhungern“, sagt Birgit Eckhardt. „Wir sprechen von Ausgrenzung. Vom fehlenden Zugang zum gesellschaftlichen Leben, vom fehlenden Zugang zu Bildung.“ Nach wie vor betreffe dieses Problem einen viel zu großen Teil der Bevölkerung.