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PMS 41/16 v. 23.12.2016

Traurige Weihnachtsbotschaft: Immer mehr Niedersachsen von Armut bedroht

Die Armutsgefährdungsquote in Niedersachsen ist im Jahr 2015 erneut gestiegen. Das zeigt der neue Bericht zur Entwicklung von Armut und Reichtum von Prof. Lothar Eichhorn, der jetzt im Statistischen Monatsheft Niedersachsen erschienen ist. Die Quote liegt nun bei 15,9 Prozent, allein in Niedersachsen sind also rund 1,3 Millionen Menschen von Armut bedroht. „Das sind Zahlen, die man kaum fassen kann“, sagt Birgit Eckhardt, Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Niedersachsen e.V. „So kurz vor Weihnachten macht mich das einfach nur traurig.“

Die aktuelle Quote stellt einen neuen Höhepunkt der Armutsentwicklung in Niedersachsen seit dem Jahr 2005 dar. Beinah jeder sechste Mensch in Niedersachsen gilt mittlerweile als armutsgefährdet. Dieser Quote liegt das Konzept der relativen Armut zugrunde: Als arm gilt demnach, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Netto-Äquivalenzeinkommens verfügt.

Niedersachsen liegt mit einer Gefährdungsquote von 15,9 Prozent leicht über dem Bundesdurchschnitt. Während die Armutsgefährdung erneut leicht gestiegen ist, liegt die Reichtumsquote weitgehend konstant bei 7,4 Prozent. „Auch in Niedersachsen geht die Schere zwischen Arm und Reich auseinander“, konstatiert Birgit Eckhardt.

Deutlich erkennbar: Einzelne Personengruppen sind besonders von Armut bedroht. Bei Alleinerziehenden ist es fast die Hälfte, aber auch Familien mit mindestens drei Kindern stellen mit 26,1 Prozent eine überproportional gefährdete Gruppe dar. Grundsätzlich gilt, dass Frauen stärker von Armut betroffen sind als Männer. „Diesen Umstand darf die Gesellschaft nicht länger hinnehmen“, sagt die Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen. Bei Frauen im Rentenalter steigt die Quote immer weiter an und liegt derzeit bei 17,5 Prozent. Ursachen dafür sind unterbrochene Erwerbsbiografien und schlecht bezahlte Teilzeitbeschäftigungen.

In den vergangenen Jahren ist eine neue Gruppe stärker in den Fokus gerückt: die „working poor“, also Menschen, die trotz Vollzeitjob arm sind. In Niedersachsen betrifft das inzwischen fast 300.000 Menschen – Tendenz weiter steigend. „Geringe Löhne, Werkverträge und überhaupt alle Arten prekärer Arbeit sind die Hauptursachen für diese traurige Entwicklung“, sagt Birgit Eckhardt. „Es darf nicht sein, dass Menschen, die voll arbeiten, kein vollwertiger Teil unserer Gesellschaft sind. Denn genau dazu führt Armut: zu Ausgrenzung und Isolation.“

Wenn vor allem Frauen, vor allem Alleinerziehende und kinderreiche Familien von Armut betroffen sind, leiden am Ende immer die Kinder. Das treibt die Spaltung der Gesellschaft weiter voran, wenn die Politik nicht mit geeigneten Maßnahmen gegensteuert und in Armut aufwachsenden Kindern die gleichen Chancen und Möglichkeiten zur individuellen Entwicklung bietet wie anderen Kindern auch.

Bedenklicher Nebenaspekt des Berichts: Auch regional sind inzwischen deutliche Unterschiede zu erkennen. Ostniedersachsen rund um Braunschweig und Wolfsburg und Niedersachsen mit den Landkreisen Göttingen und Goslar sowie den Gebieten im Harz weisen überdurchschnittliche Armutsgefährdungsquoten auf. „Regionale Strukturentwicklung bleibt wichtig“, sagt Birgit Eckhardt. „Es dürfen nicht ganze Regionen von der wirtschaftlichen Entwicklung abgehängt werden. Das Südniedersachsen-Programm des Landes macht da immerhin Hoffnung, reicht aber allein nicht aus.“