Kreisverband:
Fachtagung UMF

Hier finden Sie Presseinformationen und die Präsentationen der Vorträge der von der Glücksspirale geförderten Fachtagung „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Niedersachsen“ des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Niedersachsen e.V. am 23.11.2015 in Hannover.

Paritätischer: Standards der Jugendhilfe müssen bei der Betreuung von UMF eingehalten werden!

Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern oder andere Erziehungsberechtigte nach Deutschland flüchten, benötigen besonderen Schutz und dürfen nicht in Erstaufnahmeeinrichtungen oder Notunterkünften untergebracht, sondern müssen  unter Beibehaltung geltender Standards durch geschulte Fachkräfte betreut werden - diese Forderung war breiter Konsens der Fachtagung „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Niedersachsen“ des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Niedersachsen e.V. am 23.11.2015 in Hannover. Rund 150 Vertreterinnen und Vertreter aus den Bereichen Kinder- und Jugendhilfe, Politik, Verwaltung und Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Niedersachsen informierten sich und traten in den Austausch über die aktuelle Lage unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (UMF) in Niedersachsen.

Neben den mehr als 3.000 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die bereits in 2015 in Niedersachsen untergebracht wurden, werden nach Schätzungen und entsprechend der Verteilungsquote noch einmal mehr als 2.000 hinzukommen. Diese Kinder und Jugendlichen werden während der Flucht besonders leicht Opfer von Gewalt, sexuellen Übergriffen und Ausbeutung und haben oft Traumatisierungen unterschiedlichster Art erlitten. „Es kann nicht sein, dass unbegleitete Kinder und Jugendliche in Zentralaufnahmestellen landen, in denen sie weiteren Gefährdungen ausgesetzt sind. Es kann aber auch nicht sein, dass sie in Gruppen in Wohnungen untergebracht sind, in denen sie weitestgehend auf sich gestellt sind“, machte Birgit Eckhardt, Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen, in ihrer Begrüßung deutlich. „Wir sind uns einig, dass die Standards der Kinder- und Jugendhilfe bei der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zwingend eingehalten werden müssen!“

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten zunächst von Uta Rieger vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) einen Überblicksvortrag, in dem sie von bestehenden Unsicherheiten seitens der Vormünder bezüglich der Asylantragsstellung berichtete und eindringlich zur Antragsstellung für die Mündel appellierte. Klaus Rinschede von der paritätischen Mitgliedsorganisation Sozialwerk Nazareth e.V. berichtete aus der langjährigen Praxis der Clearingstelle seiner Einrichtung und wies erneut auf den dringenden Schulungsbedarf der Fachkräfte hin, damit diese Traumata erkennen und die passende Unterstützung auf den Weg bringen können. Mit Mohsen aus Afghanistan und Tegsti aus Eritrea hatte er zwei junge unbegleitete Flüchtlinge mitgebracht, die anschaulich über ihre Beweggründe zur Flucht und die Fluchtbedingungen berichteten.

Ergün Arslan von der paritätischen Mitgliedsorganisation Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtungen e.V. gab weitere Einblicke in die Praxis. Er erzählte von der Arbeit mit UMF und was die jungen Menschen in erster Linie beschäftigt: Sicherheit und Klärung des Aufenthaltsstatus. Neben der Einhaltung der Jugendhilfe-Standards sei die Beteiligung der Jugendlichen an der Hilfeplanung unabdingbar. Ellen Katschinski vom Nds. Sozialministerium und Joachim Glaum von der Landesverteilstelle im Landesjugendamt berichteten über die Gesetzesänderungen und daraus resultierenden veränderten Arbeitsabläufe seit Anfang November 2015. Dabei wurde deutlich, dass es bereits jetzt erste Verzögerungen in der Umverteilung gibt und mehr Personal nötig ist, um die zunehmenden Meldungen schnellstmöglich bearbeiten zu können. Zum Abschluss der Tagung gab Jürgen Stierand, Geschäftsführer der Jugendhilfe Süd-Niedersachsen e.V., Einblicke über die Erfahrungen im Ausbau von Netzwerken zur Betreuung und Unterbringung von UMF. Er forderte den Ausbau einer interkulturellen Jugendhilfe.

Auch die Frage, ob es von Landesseite Geld für neu entstehende Infrastruktur gibt, bewegte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie in den Diskussionen deutlich wurde. Die Verhandlungen von Entgeltsätzen in der stationären Jugendhilfe sind auf längere Zeit angelegt, die aktuellen Aufgaben aber sind zeitlich unsicher und erfordern kurzfristige Lösungen, etwa für den Bau und die Ausstattung von neuen Einrichtungen, für die das Land keine kurzfristige Finanzierung in Aussicht stellt. „Dabei entsteht eine Schieflage, die nicht sein darf“, sagte Birgit Eckhardt. „Die Träger, die sich auf die steigenden Zahlen der unbegleiteten Kinder und Jugendliche vorbereiten und adäquate Hilfen anbieten wollen, haben somit keine finanzielle Sicherheit und fühlen sich im Stich gelassen. Hier ist Nachbesserung erforderlich, damit die dringend benötigte Hilfe umgesetzt werden kann und nicht an finanziellen Risiken scheitert.“

Die Präsentationen der einzelnen Vorträge finden Sie nachfolgend im Downloadbereich.