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PMS 04-09 c

Horst Hüther: „Behindertenhilfe leistet seit Jahrzehnten gute Arbeit!“

Der Paritätische Niedersachsen erwartet offene Diskussion zur Eingliederungshilfe

Mit deutlichen Worten wendet sich Horst Hüther, alternierender Verbandsratsvorsitzender des Paritätischen Niedersachsen, gegen immer neue Forderungen, die bisherige Eingliederungshilfe auf den Prüfstand zu stellen. „Schlagworte wie 'ambulant vor stationär', das Persönliches Budget und die Integration von Menschen mit einer Behinderung auf den ersten Arbeitsmarkt, sind nicht neu.“ Aber das, was diese Schlagworte bewirken sollen, werde von den Trägern der Eingliederungshilfe seit Jahrzehnten erreicht. „Behindertenhilfe leistet seit Jahrzehnten gute Arbeit! Wir bieten ein umfassendes System der Teilhabe und Integration für Menschen mit Behinderungen“, so der Experte, „und entwickeln dieses stetig in ihrem Interesse weiter.“ Diese Schlagworte seien leider häufig nur ein Vorwand, um Kosten senken zu wollen. „Wir fordern deshalb die Politik auf, in einer offenen Diskussion ihre Ziele für die Eingliederungshilfe klar zu umreißen und dabei die Frage der Finanzierung zu beantworten“, sagt Hüther.

Der alternierende Verbandsratsvorsitzende ist zugleich Geschäftsführer mehrerer Lebenshilfen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Deshalb kennt er die Kostenstrukturen ganz genau: „Wer mehr ambulante Angebote fordert, muss diese auch finanzieren. Ambulante Maßnahmen sind aber teurer. Die politisch Verantwortlichen müssen sich also auch zu den Mehrkosten bekennen, denn mehr ambulant ohne mehr Geld kann nicht funktionieren.“ Horst Hüther führt zudem an, dass ein nicht unwesentlicher Teil der ambulanten Angebote auch dazu führen, dass Menschen mit Behinderungen aus dem Sozialgefüge der Wohnheime und Werkstätten herausgerissen werden und vereinsamen können.

Unkenntnis wirft Hüther Politikern auch bei der Frage der Integration auf den ersten Arbeitsmarkt vor. „Es gibt einige Menschen mit Behinderungen, die dort eine Chance haben. Über 90 bis 95 Prozent der Beschäftigten in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen sind aber nicht geeignet für den ersten Arbeitsmarkt. Die vergleichsweise lange Arbeitszeit, die komplexeren Abläufe und der Druck der freien Wirtschaft macht eine Integration für viele leider unmöglich. Wir müssen also in der Diskussion viel stärker differenzieren, wo Möglichkeiten sind und was nicht geht.“

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