Kreisverband:
Mitgliederbereich
Wir in Ihrer Nähe

PMS 21/10 v. 18.05.2010

Der Paritätische begrüßt Einigung beim Zivildienst, aber: Entscheidung über Verlängerung nach zwei Monaten ist alltagsfern!

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. begrüßt, dass sich die Koalition endlich auf einen Kompromiss zur Verkürzung des Zivil- und Wehrdienstes verständigt hat. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die neuen Pläne für Zivildienstleistende bereits ab August gelten sollen, war eine schnelle Einigung wünschenswert, denn die Zeit drängt und die Einsatzstellen brauchen Planungssicherheit. Auch die geplante Möglichkeit einer freiwilligen Verlängerung des Dienstes ist grundsätzlich erfreulich, dass eine Entscheidung darüber allerdings erst nach zwei Monaten getroffen werden soll, ist alltagsfern und allenfalls als politischer Kompromiss zu werten.

„Wenn man vertrauensvoll miteinander arbeiten will, interessiert es natürlich alle beteiligten Seiten von vornerherein, wieviel Zeit man miteinander verbringen wird“, sagt Cornelia Rundt, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Niedersachsen e.V. Außerdem kann davon ausgegangen werden, dass sowohl die jungen Männer, die ab August den Zivildienst antreten, als auch ihre Einsatzstellen sich schon vor Ablauf der zwei Monate darüber austauschen, wie sie die gemeinsame Zeit gestalten wollen.

Kritiker am System der freiwilligen Verlängerung monieren, dass es Träger geben wird, die nur Zivildienstleistende einstellen, die von Beginn an den Wunsch äußern, neun beziehungsweise zwölf Monate zu bleiben. Der Paritätische erkennt diesen Vorwurf am System der freiwilligen Verlängerung an, weist jedoch darauf hin, dass in bestimmten Bereichen ein lohnender Einsatz für und von Zivildienstleistenden nur sinnvoll ist, wenn die Dauer des Dienstes möglichst früh feststeht. Die Zeit und der Aufwand einer Ausbildung und Einarbeitung im Rettungsdienst etwa steht in keinem Verhältnis zu einem Einsatz von nur sechs Monaten. In anderen Bereichen, wie der Schwerstbehindertenpflege und Schulassistenz, reichen sechs Monate nicht aus, um einen Zivildienstleistendem als vertrauenswürdige Bezugsperson zu etablieren.

Wenn die verkürzten Zivildienstzeiten und die freiwillige Verlängerung aus den genannten Gründen dazu führen, dass es nicht mehr genug Zivildienstplätze für alle Zivildienstleistende gibt, dann sind nicht die Einsatzstellen, sondern vielmehr die kurzsichtigen Planungen und faulen politischen Kompromisse der Regierungsverantwortlichen daran schuld. „Eine Möglichkeit wäre es, endlich das Freiwillige Soziale Jahr finanziell besser auszustatten, um es zu einer echten Alternative zum Zivildienst zu machen“, sagt Rundt.