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PMS 07/12 v. 29.02.2012

Paritätischer warnt: Kein Grund zum Jubeln - Kinderarmut weiterhin erschreckend hoch

Die Jubelschlagzeilen über sinkende Kinderarmut in Deutschland, die vor gut fünf Wochen in den Medien zu lesen waren, haben den Paritätischen Gesamtverband dazu veranlasst, genauer hinzuschauen und die Aussagen zu überprüfen. Die Ergebnisse „Arme Kinder, arme Eltern: Familien in Hartz IV“  wurden heute in Berlin vorgestellt. „Die Studie zeigt, dass es zum Jubeln leider keinen Anlass gibt“, sagt Cornelia Rundt, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Niedersachsen e.V.. „Die Kinderarmut in Deutschland, auch in Niedersachsen, ist nach wie vor erschreckend hoch.“

Niedersachsen gehört dabei noch zu den wenigen Bundesländern, in denen sich positive Trends erkennen lassen. Um 21,1 Prozent konnte die Zahl der Kinder in Hartz IV auf den ersten Blick abgebaut werden. Gleichzeitig ist in Niedersachsen jedoch die Gesamtkinderzahl stark zurück gegangen, so dass die Betroffenheitsquote tatsächlich nicht um 21, sondern lediglich um 13 Prozent zurückgegangen ist. „Der Trend hat sich aufgrund dieser statistischen Veränderung nur oberflächlich so positiv entwickelt. Wer sich an diesen statistisch aufgehübschten Zahlen ergötzt und sich von ihnen blenden oder gar zufrieden stellen lässt, nimmt das Schicksal der armen Kinder nicht ernst genug“, sagt Cornelia Rundt.

Der Anteil von Kindern unter 15 Jahren im Hartz-IV-Bezug betrug im Dezember 2011 in Niedersachsen14,6 Prozent und entspricht damit in etwa dem Bundesdurchschnitt (14,9 Prozent). Von einem großen Erfolg kann also kaum die Rede sein. „Es kann nicht unser Anspruch sein, uns damit zufrieden zu geben, einem Bundesdurchschnitt von fast 15 Prozent zu entsprechen. Jedes Kind, das in Armut aufwächst, ist ein Kind zu viel. Und wenn in Niedersachsen etwa jedes siebte Kind in Armut aufwächst, sind das ganz entschieden zu viele Kinder“, sagt Cornelia Rundt. „Der Kampf gegen Kinderarmut ist noch lange nicht beendet, niemand darf vorzeitig die Hände in den Schoß legen.“

Kinder sind nach wie vor besonders stark von Hartz IV betroffen,  die gute Arbeitsmarktentwicklung kommt kaum bei ihnen an. Die Studie des Paritätischen Gesamtverbands zeigt, dass Leidtragende in erster Linie kinderreiche Familien und Alleinerziehende sind. Die Maßnahmen der Bundesregierung, diese Gruppen aus der Armut zu führen und vor allem Kindern in Hartz-IV-Bezug mehr Teilhabe zu ermöglichen, haben nur wenig bewirkt.

„Das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung ist ein Flop, durch die unpraktische Handhabe kommt nicht genug direkt bei den Kindern an“, sagt Cornelia Rundt und fordert eine kräftige Erhöhung der Regelsätze um bis zu 25 Prozent, eine echte Bildungsoffensive sowie einen strukturellen Ausbau der Angebote für Kinder aus einkommensschwachen Familien: „Bessere, ganztägige Angebote wie Förderkurse und Schulsozialarbeit, aber auch verbesserte Möglichkeiten zur Teilhabe vom Sportverein über Ferienfreizeit bis zur Musikschule, das ist es, wozu wir armen Kindern schnell und unbürokratisch verhelfen müssen. Jedes Kind verdient die Unterstützung durch die Gesellschaft und unsere Gesellschaft braucht jedes Kind."