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PMS 09/12 v. 28.03.2012

Paritätischer warnt: Soziale Daseinsvorsorge im ländlichen Raum muss gesichert werden!

Landflucht, Überalterung der Bevölkerung, Fachkräftemangel: Der Paritätische Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. fordert Politik und Gesellschaft auf, ein breites Bündnis zu bilden, um Lösungen für die Folgen des unausweichlichen demografischen Wandels zu finden und vor allem hilfebedürftigen Menschen im ländlichen Raum zu helfen, ihren Alltag zu bewältigen und ihre Grundbedürfnisse sicherzustellen. „Niedersachsen als Flächenland braucht ein schlüssiges Demografiekonzept. Wir dürfen nicht zulassen, dass der ländliche Raum von der sozialen Daseinsvorsorge abgehängt wird!“, sagt Cornelia Rundt, Vorstand des Paritätischen Niedersachsen. „Wir dürfen die Menschen nicht im Stich lassen, die ambulante Pflege, Essen auf Rädern oder mobile Hilfsdienste brauchen, auch wenn diese Dienste weite Anfahrtswege auf sich nehmen müssen.“

Wie ein derartiges Konzept aussehen kann, hat der Paritätische Niedersachsen mit seinem „Paritätischen Konzept für eine soziale und gesundheitliche Daseinsvorsorge im ländlichen Raum am Beispiel des Landkreises Friesland“ bereits vorgestellt. Das zukunftsweisende Konzept ist niedersachsenweit anwendbar. Es nutzt und bündelt bestehende soziale Einrichtungen und Dienste des Paritätischen, um die neuen gesellschaftlichen Herausforderungen durch den demografischen Wandel zu meistern und dem „Ausbluten“ des ländlichen Raums entgegenzuwirken. Der Schwerpunkt liegt dabei klar in der Vernetzung und Koordination der bereits bestehenden Angebote, um die Bürger und Bürgerinnen zielgerichtet und „aus einer Hand“ beraten und versorgen zu können.

„Ziel muss es sein, die Versorgung vor allem älterer Menschen und Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf im ländlichen Raum effektiv und dauerhaft sicherzustellen und weiter zu verbessern“, sagt Cornelia Rundt. Dazu bedarf es politischer und finanzieller Unterstützung. Denn ambulante Angebote mit weiten Fahrtstrecken sind deutlich aufwendiger als solche im innerstädtischen Bereich von Tür zu Tür.

Niemand soll sich abgekoppelt oder gar vergessen fühlen, nur weil er oder sie auf dem Land lebt - sei es, aufgrund einer bewusst gefällten Entscheidung oder mangels Alternativen. Denn gerade im ländlichen Bereich herrscht immer häufiger Unterversorgung, wichtige Einrichtungen wie Post, Einzelhandel oder Arztpraxen werden ersatzlos geschlossen, junge, mobile Menschen ziehen in städtischere Gebiete, ältere, hilfebedürftige Menschen bleiben, oft alternativlos, zurück - denn wer will ihnen das kleine ersparte Häuschen auf dem Lande abkaufen? Es muss dieser Generation, die die Bundesrepublik aufgebaut und zu Wohlstand gebracht hat, gestattet sein, ihren Ruhestand in sozialer Sicherheit an einen frei gewählten Ort zu verbringen. Wir als Gesellschaft sind gefordert, wenn es darum geht, die Wahlfreiheit der Menschen zu stützen und der Verödung ländlicher Gebiete entgegenzutreten. 

„Es kann nicht darum gehen, diesen Menschen anderswo Alternativen aufzuzwängen oder sie aufgrund fehlender sozialer Daseinsvorsorge gegen ihren Willen faktisch umzusiedeln, nur weil das der einfachere Weg zu sein scheint“, sagt Cornelia Rundt. „Wir müssen eine Versorgungssicherheit für die Menschen garantieren, die ihre Heimat auf dem Land nicht verlassen wollen. Dazu brauchen wir die Unterstützung des Landes Niedersachsen, der Kommunen und aller Bürgerinnen und Bürger, die bereit und gewillt sind, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.“