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PMS 12/12 v. 16.04.2012

Demografiekonzept der Landesregierung greift zu kurz - Paritätischer fordert bessere soziale Versorgung des ländlichen Raums!

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. nimmt zur Kenntnis, dass sich die Landesregierung mit den Auswirkungen des demografischen Wandels beschäftigt und dazu ein eigenes Handlungskonzept vorgestellt hat, das nun unter anderem mithilfe einer Demografieagentur weiter entwickelt werden soll. Auch wenn die grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Thema Demografie richtig und wichtig ist, kritisiert der Paritätische Niedersachsen das Konzept der Landesregierung dahingehend, die Disparitäten in den am stärksten betroffenen Regionen noch weiter zu verschärfen oder mit falschen Mitteln anzugehen anstatt die Probleme wirklich zu lösen. „Das vorliegende Konzept bietet keine überzeugenden Maßnahmen, um das Ausbluten der am Schlimmsten betroffenen Gebiete zu mindern - dabei brauchen gerade diese Gebiete mit der ältesten Bevölkerung die meiste Unterstützung und sozialen Leistungen“, sagt Cornelia Rundt, Vorstand des Paritätischen Niedersachsen.

Ein Handlungskonzept zur Daseinsvorsorge im ländlichen Raum für ein Flächenland wie Niedersachsen muss sicher stellen, dass alle Gebiete mit Angeboten zur sozialen und gesundheitlichen Sicherung versorgt werden. Wenn bestimmte Gebiete als nichts zukunftssicher o.Ä. eingestuft werden, muss eine entsprechende Vernetzung mit besser gestellten Landstrichen etabliert werden. „Es dürfen keine Verlierergebiete entstehen“, sagt Cornelia Rundt.  Für den Paritätischen Niedersachsen heißt das, dass die Erbringung sozialer Dienstleistungen wie Pflege, Betreuuung und Beratung oder Essen auf Rädern dort am Nötigsten sein wird, wo sie am schwierigsten und am teuersten ist. „Man kann sich eben nicht nur die Rosinen herauspicken, sondern muss die Versorgung der Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf im ländlichen Raum effektiv und dauerhaft sicherstellen. Sie müssen die Möglichkeit haben, ihren Ruhestand in sozialer Sicherheit an einen frei gewählten Ort zu verbringen“, sagt Cornelia Rundt.

Auch der Fokus des Konzepts der Landesregierung auf die stärker Einbindung von Ehrenamtlichen wird vom Paritätischen Niedersachsen mit großer Skepsis betrachtet. So fehlen zum Beispiel Aussagen zum Ehrenamt im sozialen Bereich völlig. Das Betreiben eines Hallenbades oder einer Bibliothek etwa gehören zu den kommunalen Aufgaben und dürfen nicht auf die freiwillige Einsatzbereitschaft ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer abgewälzt werden. „Gerade weil das große Engagement der vielen Ehrenamtlichen so wichtig ist, darf es nicht wie eine hauptamtliche Tätigkeit eingefordert werden. Es hat den Anschein, als werden die Ehrenamtlichen, ähnlich wie die Langzeitarbeitslosen, erst dann politisch und gesellschaftlich interessant, wenn Löcher zu stopfen sind“, sagt Cornelia Rundt.

Der Paritätische Niedersachsen hat bereits vor gut drei Wochen (PMS 09/12 vom 28.03.2012) Politik und Gesellschaft dazu aufgerufen ein breites Bündnis zu bilden, um Lösungen für die Folgen des demografischen Wandels zu finden und vor allem hilfebedürftigen Menschen im ländlichen Raum zu helfen, ihren Alltag zu bewältigen und ihre Grundbedürfnisse sicherzustellen. Das von der Landesregierung vorgelegte Handlungskonzept greift viel zu kurz, um dieser wichtigen Aufgabe nachzukommen. Der Paritätische Niedersachsen verweist daher nochmals auf sein „Paritätisches Konzept für eine soziale und gesundheitliche Daseinsvorsorge im ländlichen Raum am Beispiel des Landkreises Friesland“. Das zukunftsweisende Konzept, das der Landesregierung vorliegt, ist niedersachsenweit anwendbar. Es nutzt und bündelt bestehende soziale Einrichtungen und Dienste des Paritätischen, um die neuen gesellschaftlichen Herausforderungen durch den demografischen Wandel zu meistern. Der Schwerpunkt liegt dabei klar in der Vernetzung und Koordination der bereits bestehenden Angebote, um die Bürger und Bürgerinnen zielgerichtet und „aus einer Hand“ beraten und versorgen zu können.