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PMS 31/15 v. 31.08.2015

Keine willkürliche Verteilung auf Landesebene: Paritätischer fordert verantwortungsvollen Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen!

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. appelliert an die Landesregierung, möglichst schnell eine unbürokratische und stressfreie Lösung bezüglich der Zuständigkeiten und Verteilung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zu finden. „Die bundesweite quotale Umverteilung, die der Referentenentwurf der Bundesregierung vorsieht, ist an sich schon ein fachlicher Kompromiss“, erklärt Birgit Eckhardt, Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen. „Eine weitere Umverteilung nach Quote auf niedersächsischer Ebene wäre fachlich inakzeptabel und verantwortungslos gegenüber den besonders schutzbedürftigen Kindern und Jugendlichen, die dann wahllos verstreut statt in kompetente Obhut gegeben werden.“

Bis zu 2000 neue unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden in 2016 in Niedersachsen erwartet. Bislang gibt es kein Konzept, wie die Verteilung geregelt werden soll. Der Paritätische Niedersachsen spricht sich deutlich dafür aus, vorhandene Strukturen und Ressourcen auszubauen und zu nutzen, anstatt eine willkürliche Verteilung in alle Regionen Niedersachsens vorzunehmen. „Die Kinder und Jugendlichen, die aus Krisenregionen unbegleitet hier ankommen, brauchen spezielle Unterstützung und Beratung in Sachen Orientierung, Mobilität, Vormundschaft und Integration, hinzu kommen oft besondere gesundheitsspezifische Bedarfe wie kultursensible therapeutische Maßnahmen“, sagt Birgit Eckhardt.

Ganz besonders wichtig ist die zügige Schaffung von Sprachkursen bzw. die Aufstockung von Sprachlernklassen in den Schulen, damit junge Flüchtlinge möglichst sofort und unabhängig vom Schuljahresrhythmus mit dem Erlernen der deutschen Sprache beginnen können, um keine Zeit zu verlieren und längerfristig auch den Beginn einer Berufsausbildung zu ermöglichen.

Nicht alle Jugendämter und Regionen in Niedersachsen sind mit den dafür notwendigen Strukturen, Netzwerken und Diensten ausgestattet. „Die Intention des Gesetzentwurfes, die Unterbringung und Versorgung der unbegleiteten Flüchtlingskinder zu verbessern, kann unter diesen Voraussetzungen nicht umgesetzt werden“, meint Birgit Eckhardt.

Der Paritätische Niedersachsen erneuert daher seine Forderung, die sachliche Zuständigkeit in die Hände überörtlicher Träger zu legen und Schwerpunktregionen zu bilden bzw. auszubauen, in denen bestehende Ressourcen effektiv genutzt werden und den minderjährigen Flüchtlingen ihren spezifischen Bedarfen entsprechend geholfen wird. Das wäre eine Lösung auf der auch durch die Bundesregierung geforderten Handlungsgrundlage des Kindeswohls.

„Das Land muss sich gewissenhaft auf die Versorgung und Betreuung dieser jungen, oft traumatisierten Menschen vorbereiten und darf sie nicht wahllos verstreuen“, sagt Birgit Eckhardt. „Wichtig dabei ist auch, dass die Unterbringung und Betreuung für ausländische Kinder und Jugendliche den Standards der Jugendhilfe entspricht.“

Der Paritätische Niedersachsen, unter dessen Dach sich zahlreiche Mitgliedsorganisationen im Bereich der Flüchtlingshilfe und Jugendhilfe engagieren, ist gerne bereit, die Landesregierung mit seiner langjährigen Expertise im weiteren Prozess zu unterstützen.