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PMS 38/16 v. 14.12.2016

Pflegebericht: Nicht alles Gold, was glänzt

Der Sechste Pflegebericht der Bundesregierung lässt wie seine Vorgänger eine schlüssige Personalstrategie vermissen. Das moniert der Paritätische Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V., nachdem das Kabinett den Bericht am Mittwoch, 14.12., beschlossen hat.

„Ohne Frage hat sich im Bereich der Pflege einiges verbessert“, sagt Birgit Eckhardt, Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Niedersachsen e.V. „Das Dritte Pflegestärkungsgesetz wird weitere Verbesserungen bringen. Aber es reicht nicht aus, wenn der Bundesgesundheitsminister fünf Milliarden Euro mehr für die Pflege in Aussicht stellt.“ Das größte Problem in der Pflege sei der Personalmangel. „Nur weil die Regierung mehr Geld ins System gibt, haben wir noch lange nicht mehr Fachkräfte – die wir aber dringend brauchen.“ Das zeige sich allein an der stetig wachsenden Zahl der Pflegebedürftigen, die der Pflegebericht erneut bestätigt.

Um die Pflegeberufe für mehr Menschen attraktiv zu machen, müssten die Arbeitsbedingungen verbessert werden. „Dazu zählt zum Beispiel, dass die Pflegerinnen und Pfleger genug Zeit für die Pflegebedürftigen haben“, sagt Birgit Eckhardt. Zwar zeige der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff, eingeführt mit den Pflegestärkungsgesetzen, dass die Politik aus den Fehlern der Vergangenheit lernen wolle – statt der Defizite von Pflegebedürftigen stehe jetzt im Vordergrund, die noch vorhandenen Potenziale der Menschen zu stärken und zu erhalten. „Aber allzu oft gilt das leider nur auf dem Papier“, sagt die Vorsitzende des paritätischen Landesverbands. „Dieser neue Ansatz kostet nämlich Zeit, die Kostenträger honorieren das aber nicht.“

An mehreren Stellen verweist der Pflegebericht auch auf den Bürokratieabbau. Das gelte vielleicht für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen, sagt Birgit Eckhardt, nicht aber für die Einrichtungen und die Pflegedienste. Im Gegenteil: „Durch die Pflegestärkungsgesetze ist der bürokratische Aufwand deutlich gestiegen.“