15 Euro pro Kind: So wenig kostet echte Mitbestimmung für 16.000 junge Menschen in stationären Einrichtungen
„Wir reden mit!“ – Neues Projekt des Paritätischen Niedersachsen stärkt die Stimme von Kindern und Jugendlichen in stationären Hilfen und fordert Einrichtung eines Landesheimbeirats.
Rund 16.000 Kinder und Jugendliche leben in Niedersachsen in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, wie stationären Wohngruppen und Wohnheimen für Jugendliche. Diese jungen Menschen können zwar individuell z.B. in Hilfeplangesprächen ihr Leben mitgestalten, an den alles bestimmenden Strukturen können sie aber nicht mitbestimmen. Die landesweit festgelegte Taschengeldhöhe, fehlende Möglichkeiten für ein Auslandsjahr bis hin zu den Menschen, die sie betreuen sind nur einige Beispiele. Mit dem Projekt „Wir reden mit!“ setzt der Paritätische Niedersachsen genau hier an: Junge Menschen im Alter von 14 bis 21 Jahren sollen nicht länger nur Empfänger*innen von Hilfe sein, sondern Verantwortung für ihre eigenen Belange übernehmen und ihre Lebensrealität aktiv mitgestalten können.
„Mitbestimmung darf kein Extra sein, sondern muss selbstverständlicher Bestandteil der Jugendhilfe werden“, betont Kerstin Tack, Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen. „Kinder und Jugendliche wissen selbst am besten, was sie brauchen. Ihnen zuzuhören und ihnen echte Entscheidungsspielräume zu eröffnen, ist eine Voraussetzung für gute Hilfen.“
Das von Aktion Mensch geförderte Projekt ist im November 2025 gestartet und setzt sich dafür ein, jungen Menschen aus besonderen Lebenslagen Gehör zu verschaffen und ihre Mitbestimmung in der Gesellschaft zu stärken. Ziel ist es, nachhaltige Strukturen zu entwickeln, in denen Kinder und Jugendliche wirksam beteiligt werden – nicht symbolisch, sondern auf Augenhöhe.
Ein zentrales Anliegen von „Wir reden mit!“ ist die Forderung nach der Einrichtung eines Landesheimbeirats für Niedersachsen, wie er in anderen Bundesländern bereits erfolgreich besteht. Ein solcher Landesheimbeirat würde Kindern und Jugendlichen in stationären Einrichtungen eine landesweite Interessenvertretung geben und dazu beitragen, ihre Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern.
Für die Einrichtung und Arbeit eines Landesheimbeirats wäre nach Erfahrungen aus anderen Bundesländern mit Kosten von rund 250.000 Euro jährlich zu rechnen. Umgerechnet entspricht das etwa 15 Euro pro Kind oder Jugendlicher in einem Heim. „Angesichts der Bedeutung von Beteiligung, Schutz und demokratischer Bildung ist das ein überschaubarer Betrag“, so Tack. „Diese Investition sollte es dem Land Niedersachsen wert sein.“
„Wir reden mit!“ ist dabei mehr als ein Projekt. Es ist ein Aufruf zur Veränderung – an Fachkräfte, Träger, Politik und Verwaltung. Bestehende Strukturen sollen hinterfragt, Machtverhältnisse reflektiert und neue Wege der Beteiligung erprobt werden. Langfristig soll die Mitbestimmung junger Menschen fest in den Einrichtungen der stationären Hilfen zur Erziehung (HzE) verankert werden. Der Paritätische Niedersachsen versteht „Wir reden mit!“ als Beitrag zu einer Jugendhilfe, die junge Menschen ernst nimmt – als Expert*innen in eigener Sache und als aktive Gestalter*innen ihres Lebens.
► Mehr Informationen erhalten Sie auf der Homepage des Projekts „Wir reden mit!“ unter www.paritaetischer.de/beteiligung

