Wer sind wir und wofür stehen wir?
Wir sind ein loser Zusammenschluss engagierter, größtenteils ehrenamtlich tätiger queerer Menschen und ihre Allies* z.B. aus den Bereichen Jugendzentren, Wohlfahrtsverbände, Jugendorganisationen, demokratische Parteien, demokratiefördernde Vereine, Religionsgemeinschaften, uvm.
In einer nach rechts rückenden Gesellschaft haben gerade queere Menschen es immer schwerer, sicher sichtbar durch unsere Welt zu gehen. Insbesondere da queere Menschen sich seit jeher für die Gleichberechtigung und Vielfalt der gesamten Gesellschaft einsetzen.
Ein respektvolles, wertschätzendes und anerkennendes Miteinander bildet dabei die Voraussetzung für einen gewaltfreien sozialen Austausch. Hierbei ist uns ein intersektionales Verständnis wichtig, das heißt: auch Personen, die verschiedene, mehrere Formen von Diskriminierung erleben, finden Gehör, Respekt und besondere Aufmerksamkeit.
Der CSD ist eine für alle Menschen öffentliche Veranstaltung, ob queer oder nicht. Da wir uns für den Erhalt und die Verbesserung der Grund- und Menschenrechte für uns alle einsetzen, ist auch eine Teilnahme aller Menschen, die dafür einstehen wollen, wichtig.
*Ally / Allies: Ein Ally (dt. „Verbündete*r“) ist eine Person, die sich aktiv für den Schutz und die Rechte benachteiligter Gruppen einsetzt, auch wenn sie selbst nicht Teil der Gruppe ist.
Welche Werte und Prinzipien leiten unser Handeln?
Unser CSD feiert Vielfalt und setzt sich für die Rechte und Sicherheit aller Menschen ein, insbesondere aber der queeren Community. Jeder Mensch soll sich auf unserem CSD sicher, willkommen und frei fühlen. Damit niemand mit grenzüberschreitendem Verhalten allein gelassen wird, gibt es ein eigenes geschultes Awareness-Team, Ordner*innen und Polizei vor Ort. Auch Sanitäter*innen sind während der Demonstration und Kundgebung anwesend.
Für uns ist es wichtig, queeres Leben sichtbar zu machen, besonders im ländlichen Raum.
Wir wollen ein Umfeld schaffen, in dem sich möglichst alle wiederfinden und wohlfühlen können. Der CSD soll ein solidarisches Miteinander fördern sowie gegenseitigen Respekt, Anerkennung und Verständnis füreinander.
Wir erkennen an, dass alle Menschen bewusst und unbewusst Diskriminierung ausüben können. Daher fordern wir einen Umgang miteinander, der dafür sensibilisiert, es ermöglicht aus Fehlern zu lernen und gemeinsam zu wachsen.
Was wollen wir gemeinsam erreichen?
Forderungen 2026:
Viele queere Menschen haben psychische Erkrankungen, aber nicht wegen ihrer Queerness, sondern wegen der Repressionen, die sie erfahren. Wir setzen uns daher für lebenswichtige Angebote und Dienstleistungen ein, die für queere Menschen genauso bereitgestellt werden sollten, wie auch für andere Menschen.
Hierfür fordern wir ganz konkret:
1. …den Erhalt und die Finanzierung der (bislang einzigen!) queeren Beratungsstelle im Landkreis. Diese wird bisher aus Aktion Mensch-Geldern finanziert und nicht vom Landkreis, obwohl die Jugendpflege und -beratung Auftrag der Kommunen sind. Wir wünschen uns eine Übernahme und Förderung der Stelle, wenn die Aktion-Mensch-Förderung ausläuft.
2. …die Förderung und Weiterbildung im Bereich Psychotherapie. Die aktuell geplanten und teilweise beschlossenen Kürzungen erschüttern uns zutiefst. Viele Menschen, auch etliche (junge) queere Personen sind auf einen Therapieplatz angewiesen. Es kann nicht sein, dass Menschen teilweise zweistündige Fahrten regelmäßig auf sich nehmen (und bezahlen!) sollen, damit sie versorgt werden können. Wir brauchen mehr Therapieplätze für die Menschen auf dem Land und wir brauchen Therapeut*innen, die geschult sind und sensibel mit queeren, insbesondere trans* Themen umgehen können. Dafür müssen auch die Therapeut*innen angemessen bezahlt und Weiterbildungsmöglichkeiten geschaffen werden.
3. …Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen in allen medizinischen Bereichen. Viele queere Personen erleben Diskriminierung in Arztpraxen, psychotherapeutischen Praxen uvm. Dies führt dazu, dass besonders gefährdete Gruppen die nötige medizinische Versorgung meiden. Das muss nicht sein, wenn medizinisches Fachpersonal geschult wird und souveräner wird im Umgang mit queeren Patient*innen und Klient*innen.
Wir erwarten von allen Akteur*innen des CSDs, für diese Forderungen einzustehen und sich aktiv für ihre Umsetzung einzusetzen. Insbesondere Mitwirkende in Gremien (Räten, Tagen, Verwaltungsstrukturen) verpflichten sich mit ihrer Teilnahme am CSD, diese drei Punkte einzufordern und ihre Stimme für Vielfalt, Minderheitenschutz und Toleranz zu geben.