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Auftakt für mehr Mitbestimmung: Erste Jugendkonferenz im Beteiligungsprojekt „Wir reden mit!“ in Hannover

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„Junge Menschen, die nicht in ihren Familien leben können, sondern z.B. in Wohngruppen aufwachsen, den sogenannten Einrichtungen der Erziehungshilfe, wissen sehr genau, was sie brauchen – sie müssen nur endlich ernsthaft gehört und beteiligt werden“, sagt Kerstin Tack, Vorsitzende des Paritätischen anlässlich der ersten Jugendkonferenz des von Aktion Mensch geförderten Beteiligungsprojekts „Wir reden mit!“. „Die Konferenz hat eindrucksvoll gezeigt, wie groß der Wunsch nach Austausch, Mitbestimmung und Veränderung ist. Wenn wir bessere Strukturen schaffen wollen, müssen wir die Perspektiven der Jugendlichen konsequent einbeziehen.“

Rund 20 junge Menschen aus verschiedenen Einrichtungen der Erziehungshilfe aus ganz Niedersachsen kamen zusammen, um sich über Beteiligung, Selbstvertretung und ihre Lebensrealität in den Hilfen zur Erziehung auszutauschen.

In mehreren Themen-Workshops setzten sich die Teilnehmenden mit bestehenden Beteiligungsstrukturen auseinander, diskutierten die Vor- und Nachteile der Erziehungshilfe und entwickelten neue Handlungsmöglichkeiten für mehr Mitbestimmung im Alltag. Auch aktuelle gesellschaftliche Themen wurden aufgegriffen – so tauschten sich die Jugendlichen unter anderem über den aktuellen Diskurs zu möglichen Social-Media-Verboten für Kinder und Jugendliche aus.

Die Jugendlichen machten deutlich: Sie wollen und können mitreden. Gleichzeitig äußerten viele Teilnehmende das Gefühl, von Fachkräften in Einrichtungen sowie von politischen Entscheidungsträger*innen häufig nicht ausreichend gehört oder ernst genommen zu werden.

Forderungen der Jugendlichen

  • Mehr Förderung, Anerkennung und Mitbestimmung im Wohngruppen-Alltag
  • Gespräche mit Jugendamt und Vormund auf Augenhöhe sowie echte Beteiligung
  • Bessere Vorbereitung auf ein selbstständiges Leben und mehr Unterstützung im Verselbstständigungsprozess
  • Gleiche Möglichkeiten und Startchancen für alle jungen Menschen
  • Strukturen, die Selbstvertretung ermöglichen und über Rechte informieren
  • Finanzielle Mittel und feste Beteiligungsstrukturen auf Landesebene

Die erste Jugendkonferenz markiert den Auftakt des neuen Beteiligungsprojekts „Wir reden mit!“. Aus der Konferenz ist eine motivierte Gruppe junger Menschen hervorgegangen, die Veränderungen anstoßen und sich aktiv für ihre Rechte einsetzen möchte. In den kommenden Monaten werden ihre Themen und Bedarfe weiter vertieft, unter anderem in regelmäßig stattfindenden digitalen Austauschtreffen.

Parallel dazu soll das Projekt weiter wachsen. Perspektivisch ist geplant, den Kontakt zu Einrichtungen aus weiteren Dachverbänden zu stärken und noch mehr junge Menschen aus der Erziehungshilfe einzubeziehen.

► Mitmachen erwünscht: Das Projekt „Wir reden mit!“ freut sich über neue Einrichtungen sowie Jugendliche, die Lust haben, sich zu beteiligen und ihre Perspektiven einzubringen. Weitere Informationen und Kontakt: Projektleitung Tabea Muhs, tabea.muhs@paritaetischer.de oder auf unserer Projektseite www.paritaetischer.de/beteiligung