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Ein Drittel der Kitas mit Personalnot – Kita-Bericht 2026 des Paritätischen
In Niedersachsen musste mehr als ein Drittel der Kitas (34,4 Prozent) binnen vier Wochen mehrfach die Betreuung wegen Personalmangels einschränken. Das zeigt der bundesweite Kita-Bericht 2026 des Paritätischen Gesamtverbandes. Er widerlegt die Annahme, sinkende Kinderzahlen würden die Probleme der Kindertagesbetreuung von selbst lösen.
Mit 3.267 erfassten Einrichtungen ist der Kita-Bericht 2026 die bislang größte Datenbasis des Paritätischen Gesamtverbandes zur Situation in deutschen Kindertageseinrichtungen. Sein zentrales Ergebnis widerspricht einer Erzählung, die sich derzeit in vielen Debatten festsetzt. Weil Kinderzahlen sinken und bundesweit mehr als 550.000 Kitaplätze ungenutzt bleiben, gilt der Fachkräftemangel manchen bereits als Problem von gestern. Der Bericht zeigt, dass diese Hoffnung trügt. Personalmangel ist vielerorts zum Dauerzustand geworden: Bundesweit fehlen rechnerisch rund 107.000 pädagogische Mitarbeitende, während zwei Drittel der Einrichtungen den vorhandenen Personalschlüssel für unzureichend halten.
In Niedersachsen berichten 34,4 Prozent der Kitas von wiederholten Betreuungseinschränkungen wegen Personalmangels. Mehr als jede dritte Kita musste Eltern binnen vier Wochen mehrfach bitten, ihre Kinder nicht zu bringen oder früher abzuholen. Gleichzeitig zählt Niedersachsen mit 15,6 Prozent zu den Ländern mit vergleichsweise häufigem Einsatz von Zeitarbeitskräften in Kitas.
„Wer glaubt, weniger Kinder bedeute automatisch weniger Druck auf die Kitas, irrt“, erklärte Kerstin Tack, Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen. „Wo eine Kita schließt, verschwindet eine Infrastruktur, die übermorgen wieder gebraucht werden könnte. Für Familien bedeutet das oft längere Wege und weniger Zeit füreinander.“
Diese höhere Belastung schlägt unmittelbar auf das Personal durch. Die psychische Belastung von Fachkräften hat ein alarmierendes Niveau erreicht: Bundesweit berichten fast 90 Prozent der Einrichtungen von einer starken psychischen Beanspruchung des Personals, und in 43,5 Prozent der Kitas hat innerhalb eines Jahres mindestens eine Fachkraft die Einrichtung aus psychischen Gründen verlassen.
Und ausgerechnet die Kinder, die von guter frühkindlicher Bildung am stärksten profitieren würden, treffen vielerorts auf die größten Personalengpässe und die höchsten Belastungen im System. So zeigt der Kita-Bericht 2026, dass Einrichtungen mit vielen Kindern aus sozial benachteiligten Familien besonders häufig berichten, dass der vorhandene Personalschlüssel nicht ausreicht, um den Sprachförderbedarf zu decken. Gleichzeitig gibt es dort häufiger Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache und erhöhtem Sprachförderbedarf.
Der Paritätische Niedersachsen fordert deshalb einen Sozialindex in der Kita-Finanzierung. Ressourcen sollen sich künftig nicht allein an der Zahl der betreuten Kinder bemessen, sondern gezielt nach Belastungslagen wie Armut, Migration und Inklusionsbedarf verteilt werden. „Es ist Zeit, Bildungsgerechtigkeit endlich umzusetzen. Nutzen wir die Chance, die sich für die Qualitätsverbesserung bietet, indem wir die Gruppen verkleinern. Das kommt nicht nur den Kindern zu Gute, sondern entlastet auch die Fachkräfte in den Kitas“, so Kerstin Tack.
► Den vollständigen Kita-Bericht 2026 des Paritätischen können Sie hier herunterladen.
