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Fachkräfte schlagen Alarm: Geflüchtete Kinder werden in Deutschland benachteiligt
Bundesweite Befragung zeigt gravierende Defizite bei Versorgung und Teilhabe
Geflüchtete Kinder in Deutschland sind nach Einschätzung von Fachkräften in vielen Lebensbereichen massiv benachteiligt. Das zeigt eine bundesweite Befragung des Paritätischen Gesamtverbands und der Kinderrechtsorganisation Save the Children unter Mitarbeitenden von Beratungsstellen, Kitas und Unterkünften für Geflüchtete. Auch Fachkräfte aus Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Niedersachsen beteiligten sich.
87 Prozent der Befragten sehen die gesellschaftliche Teilhabe von Kindern eingeschränkt, 74 Prozent bewerten ihre Gesundheitsversorgung als unzureichend und mehr als 70 Prozent halten eine gesunde Ernährung mit den Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) für nicht möglich. Kritisch bewertet wird zudem die Bezahlkarte, die nach Ansicht vieler Fachkräfte Ausgrenzung und Stigmatisierung verstärkt.
In Niedersachsen beziehen rund 12.000 bis 13.000 Kinder und Jugendliche Leistungen nach dem AsylbLG. Besonders betroffen sind Neugeborene, Kinder mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen sowie Familien in Sammelunterkünften. Verzögerungen bei der Ausstellung von Geburtsurkunden führen laut Befragung dazu, dass Neugeborene teilweise über Monate keine Leistungen und keine medizinische Versorgung erhalten.
„Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen eindeutig: Geflüchtete Kinder werden in Deutschland systematisch benachteiligt. Sie sind hier, weil sie Schutz brauchen, doch stattdessen wird ihnen das Leben schwer gemacht. Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt und lässt zu, dass sogar Neugeborene monatelang ohne Gesundheitsversorgung sind. Das ist skandalös“, sagt Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children Deutschland. „Es darf nicht sein, dass Kinder aufgrund ihres Aufenthaltsstatus von Vielem ausgeschlossen sind, was für Gleichaltrige in Deutschland selbstverständlich ist. Es ist höchste Zeit, dass alle Kinder in Deutschland dieselben Rechte und denselben Schutz erhalten – ein Anfang wäre eine echte Kindergrundsicherung.“
Auch Kerstin Tack, Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen, sieht dringenden politischen Handlungsbedarf: „Kinder warten monatelang auf ihre Geburtsurkunde und bekommen zwischenzeitlich keine Versorgung. Leistungskürzungen und Leistungsausschlüsse dürfen Familien mit Kindern nicht mehr treffen, und die Versorgung Neugeborener darf nicht an Papieren scheitern. Langfristig muss das Asylbewerberleistungsgesetz abgeschafft werden.“
Save the Children und der Paritätische fordern unter anderem, Leistungskürzungen für Familien mit minderjährigen Kindern auszuschließen, die Versorgung von Neugeborenen unabhängig von fehlenden Dokumenten sicherzustellen, die Regelsätze auf ihre Bedarfsdeckung zu überprüfen, einen gesetzlichen Anspruch auf Dolmetschleistungen im Gesundheitswesen einzuführen sowie die Bezahlkarte für Familien mit Kindern abzuschaffen.
Pressekontakt Save the Children Deutschland:
Susanne Sawadogo, +49 30 2759 5979-120
susanne.sawadogo@savethechildren.de
