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Mehr junge Menschen in Heimen – Paritätischer Niedersachsen fordert Lösungen statt bloßer Bestandsaufnahme

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Aktuelle Medienberichte anlässlich der jüngst veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes stellen fest, dass immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland außerhalb ihrer Herkunftsfamilien aufwachsen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden im vorvergangenen Jahr bundesweit rund 134.000 Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene in einem Heim betreut, knapp 87.500 weitere in einer Pflegefamilie. Das waren insgesamt drei Prozent oder rund 7.000 Fälle mehr als ein Jahr zuvor. Diese Entwicklung ist alarmierend – bleibt in der öffentlichen Debatte jedoch häufig auf eine rein deskriptive Betrachtung beschränkt.

Das von Aktion Mensch geförderte Beteiligungsprojekt „Wir reden mit!“ des Paritätischen Niedersachsen rückt deshalb die Perspektiven der betroffenen jungen Menschen selbst in den Mittelpunkt – und formuliert klare Forderungen an Politik und Praxis.

„Die steigenden Zahlen werden beschrieben, aber die entscheidende Frage bleibt oft unbeantwortet: Was brauchen diese jungen Menschen konkret, um gut aufzuwachsen?“, erklärt Tabea Muhs, Projektleiterin von 'Wir reden mit!‘. „Es reicht nicht, Entwicklungen zu benennen – wir müssen endlich die Lösungen ernst nehmen, die die Betroffenen selbst formulieren.“

Im Projekt haben junge Menschen aus der Jugendhilfe klare Forderungen entwickelt. Im Zentrum stehen mehr Mitbestimmung im Alltag, echte Beteiligung in Gesprächen mit Jugendämtern und Vormündern sowie eine verlässliche Begleitung auf dem Weg in ein selbstständiges Leben.

Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf beim Übergang in die Selbstständigkeit. Viele junge Menschen fühlen sich nach dem Verlassen der Jugendhilfe unzureichend vorbereitet und unterstützt. „Niemand würde von Gleichaltrigen erwarten, mit 18 plötzlich komplett auf sich allein gestellt zu sein. Für Jugendliche in umgangssprachlich als Heimen bezeichneten Einrichtungen ist das aber oft Realität“, so Muhs.

Darüber hinaus macht das Projekt deutlich, dass echte Chancengleichheit bislang nicht erreicht ist. Finanzielle Einschränkungen, begrenzte Teilhabemöglichkeiten und fehlende Förderung – etwa beim Zugang zu Bildung, Mobilität und Freizeitmöglichkeiten – verhindern oft, dass junge Menschen in der Jugendhilfe die gleichen Perspektiven entwickeln können wie ihre Altersgenossen.

„‘Wir reden mit!’ zeigt: Lösungen liegen längst auf dem Tisch – sie kommen von den jungen Menschen selbst“, betont die Projektleiterin. „Die aktuelle Aufmerksamkeit muss genutzt werden, um endlich vom Beschreiben ins Handeln zu kommen.“

Der Paritätische Niedersachsen fordert in Anbetracht der steigenden Zahlen Politik und Fachpraxis auf, die Perspektiven junger Menschen systematisch einzubeziehen und die im Projekt formulierten Forderungen konsequent umzusetzen.

► Weitere Informationen zum Projekt „Wir reden mit!“  gibt es auf unserer Projektseite www.paritaetischer.de/beteiligung