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Neue Studie: Wohngeldkürzungen würden vor allem Familien mit Kindern und Geringverdienende treffen
Die von der Bundesregierung geplanten Kürzungen beim Wohngeld würden vor allem Familien mit Kindern, Erwerbstätige mit niedrigen Einkommen und Rentner*innen mit kleinen Renten treffen. Das zeigt eine neue Kurzexpertise der Paritätischen Forschungsstelle. Der Paritätische Niedersachsen warnt: Ausgerechnet in einem Land wie Niedersachsen mit überdurchschnittlicher Armutsquote würden die Kürzungen die Falschen treffen und Armut weiter verschärfen.
70 Prozent der Haushalte mit Wohngeldbezug sind Haushalte mit Kindern. Nicht einmal vier Prozent der Wohngeld-Beziehenden sind arbeitslos; 22 Prozent sind erwerbstätig, 15 Prozent befinden sich im Ruhestand. Die größte Gruppe stellen mit 37,5 Prozent Kinder. Wer Wohngeld bezieht, lebt finanziell am Limit: Über ein Viertel aller Beziehenden gilt bereits heute als materiell und sozial stark benachteiligt, kann sich also nur das Nötigste leisten und nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.
„Das Wohngeld ist eine der wirksamsten Leistungen gegen Armut und ausgerechnet hier will der Bund kürzen“, erklärt Kerstin Tack, Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen. „In Niedersachsen ist schon heute mehr als jede sechste Person von Armut betroffen. Wer beim Wohngeld spart, treibt Familien, Geringverdienende und Rentner*innen tiefer in die Not.“
Wie wichtig das Wohngeld ist, zeigt sich gerade in bevölkerungsreichen Ländern wie Niedersachsen. Seine armutsmindernde Wirkung ist bundesweit belegt: In sämtlichen Ländern liegen die Armutsquote und die Zahl der armutsbetroffenen Menschen unter Berücksichtigung des Wohngeldes niedriger als ohne. In Niedersachsen bleiben durch das Wohngeld rund 39.000 Menschen oberhalb der Armutsschwelle – Menschen, die ohne diese Leistung als arm gelten würden.
Die Expertise zeigt zudem: Echte Einsparungen bringen die Kürzungen nicht. Bundesweit würden rund 163.000 Haushalte durch den Wegfall des Wohngeldes auf andere Sozialleistungen angewiesen, vor allem auf die Grundsicherung. Die Ausgaben würden also lediglich von einem Leistungssystem in ein anderes verschoben.
Bezahlbarer Wohnraum ist dabei nicht allein Sache des Bundes. Auch das Land Niedersachsen steht in der Verantwortung und zwar über die reine Baupolitik hinaus. Es braucht wirksame Instrumente gegen überhöhte Mieten und Mietwucher, gerade in den angespannten städtischen Wohnungsmärkten. Denn dort sind hohe Mieten längst nicht mehr nur ein soziales, sondern auch ein ökonomisches Risiko: Wenn dringend benötigte Fachkräfte – in Pflege, Kitas, Handwerk oder Verwaltung – keine bezahlbare Wohnung mehr finden, leidet die gesamte niedersächsische Volkswirtschaft.
„Wohngeld und sozialer Wohnungsbau sind zwei Seiten derselben Medaille“, betont Tack. „Die jüngste Reform der Wohnraumförderung ist ein ermutigendes Signal. Aber sie steht und fällt mit der praktischen Umsetzung. Und sie ändert nichts daran, dass der Bund das Wohngeld nicht kürzen darf und das Land zugleich mehr gegen überhöhte Mieten tun muss. Sonst zahlen am Ende alle drauf: die Menschen mit kleinen Einkommen ebenso wie eine Wirtschaft, der die Fachkräfte fehlen.“
► Die Kurzexpertise der Paritätischen Forschungsstelle beruht auf repräsentativen Daten der MZ-SILC-Erhebung des Statistischen Bundesamtes (2025) und kann hier heruntergeladen werden.
