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Zum Start der Sommerferien: Übergang ins Erwachsenenleben darf nicht vom Zufall abhängen
Wohnungslosigkeit und Ausbildungsabbrüche verhindern: Paritätischer Niedersachsen fordert gleiche Chancen für Care Leaver.
Mit dem Beginn der Sommerferien endet für viele junge Menschen die Schulzeit und es beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Während die meisten jungen Menschen dabei auf die Unterstützung ihrer Familien zählen können, haben Care Leaver – junge Erwachsene aus Pflegefamilien oder Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe – diese Möglichkeit oftmals nicht.
Im Gegenteil: Sie müssen oftmals gleichzeitig den Einstieg in Ausbildung oder Beruf, die Wohnungssuche, die Sicherung ihres Lebensunterhalts und zahlreiche Anträge bewältigen. Sie sind somit häufiger von Wohnungsunsicherheit betroffen und brechen Ausbildungen öfter ab. In vielen Fällen müssen sie sogar darum kämpfen, dass sie auch weiterhin Unterstützung durch das Jugendhilfesystem bekommen. In der derzeitigen Diskussion um die Zukunft der Jugendhilfe werden sogar Stimmen laut, hier weiter einzusparen.
„Der Übergang ins Erwachsenenleben darf nicht zur Überforderung werden. Junge Menschen in den Hilfen zur Erziehung brauchen verlässliche Begleitung und zwar nicht erst, wenn Probleme entstehen“, erklärt Kerstin Tack, Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen. „Wer ohne ein tragfähiges familiäres Netzwerk ins Erwachsenenleben startet, darf nicht allein gelassen werden. Es ist Aufgabe der Gesellschaft, gleiche Chancen für alle jungen Menschen zu schaffen und Selbstvertretungsmöglichkeiten zu stärken.“
Der Paritätische Niedersachsen fordert deshalb die Beibehaltung der Begleitung über das 18. Lebensjahr hinaus und den Aufbau von Selbstvertretungsstrukturen, der es den jungen Menschen ermöglicht, selbst für Ihre Bedarfe einzustehen.
„Niedersachsen kann es sich übrigens auch volkswirtschaftlich nicht leisten, diese Menschen durchs Raster fallen zu lassen. Wir brauchen langfristig ein besser verzahntes Unterstützungssystem, das junge Menschen sicher nach der Phase des Verlassens der Hilfestrukturen begleitet und ihnen Möglichkeiten eröffnet, ihre Interessen im Rahmen der Selbstvertretung zu vertreten“, so Tack abschließend.
Zum Hintergrund: In Niedersachsen leben rund 16.000 Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Das von Aktion Mensch geförderte Projekt „Wir reden mit!“ setzt sich für ihre Rechte ein. Im Projekt geht es darum, junge Menschen bei Themen, die sie direkt betreffen, mitbestimmen zu lassen. Ziel ist es, gleiche Chancen zu ermöglichen, bessere Unterstützung zu sichern und eine stabile Zukunft aufzubauen. Die jungen Menschen erhalten eine Stimme und die Möglichkeit, ihre Anliegen mit der Politik zu diskutieren.
► Mehr Informationen zum Projekt „Wir reden mit!“ finden Sie hier.
