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Zwischen Hitzerekord und Starkregen: Paritätischer Niedersachsen fordert politisches Handeln in Sachen Klimaanpassung sozialer Einrichtungen
Während in der Region Hannover vielerorts noch das Wasser der Starkregenfälle der vergangenen Tage abläuft, sind die Hitzerekorde der zurückliegenden Wochen kaum vergessen. Innerhalb weniger Wochen führen beide Extreme vor Augen, wie unmittelbar der Klimawandel die soziale Infrastruktur in Niedersachsen trifft: überhitzte Wohn- und Gruppenräume, vollgelaufene Keller und ausgefallene Angebote. Der Paritätische Niedersachsen fordert deshalb von Bund und Land Niedersachsen die Klimaanpassung in der freien Sozialwirtschaft zu unterstützen.
Wie stark soziale Einrichtungen bereits heute belastet sind, zeigt eine aktuelle bundesweite Umfrage des Paritätischen Gesamtverbandes: 82 Prozent der rund 2.900 beteiligten Einrichtungen und Dienste geben an, von der Hitzewelle Ende Juni stark oder sehr stark betroffen gewesen zu sein. Fast neun von zehn berichten von erheblichen Belastungen ihrer Mitarbeiter*innen, drei Viertel von überhitzten Gebäuden. Diese Rückmeldungen decken sich mit den Erfahrungen aus Niedersachsen und der Starkregen der vergangenen Tage zeigt zusätzlich, dass es längst nicht nur um Hitze geht.
„Unsere Einrichtungen erleben den Klimawandel nicht als ferne Prognose, sondern als Alltag: Im Juni waren es bis über 35 Grad in Gruppen- und Bewohner*innenräumen, in dieser Woche laufen Keller und Erdgeschosse voll“, erklärt Kerstin Tack, Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen. „Kitas, Pflegeheime, Wohngruppen und Beratungsstellen sind Orte, an denen besonders verletzliche Menschen betreut werden. Wenn Räume tagelang nicht nutzbar sind, trifft das immer die, die sich am wenigsten selbst schützen können.“
Zwar wird die Freie Wohlfahrtspflege in Niedersachsen durch das gemeinsame Projekt KiSs – „Den Klimaschutz in der niedersächsischen Sozialwirtschaft stärken“ – in ihren Klimaschutzanstrengungen unterstützt. Über KiSs erhalten Einrichtungen Beratung zu energetischer Sanierung, zur Nutzung von Solarenergie und zu Sanierungsfahrplänen. Doch KiSs zielt auf den Klimaschutz, also auf die Vermeidung von Emissionen. Für die Klimaanpassung, also den Schutz vor den bereits spürbaren Folgen der Erderwärmung, fehlt es weiterhin an geeigneten Förderungen.
Konkret geht es um Investitionen, die viele gemeinnützige Träger aus eigener Kraft nicht stemmen können: außenliegende Verschattung, hitzeresiliente Dach- und Fassadenbegrünung und kühle Rückzugsräume bzw. Klimageräte und Trinkbrunnen. „Gemeinnützige Träger können kaum Rücklagen bilden. Ohne verlässliche Förderung bleibt die Anpassung an das Wetter der Zukunft liegen: so lange, bis der nächste Sommer oder das nächste Unwetter die Lücke schmerzhaft sichtbar macht“, so Tack.
Der Paritätische verweist darauf, dass sich vorsorgende Klimaanpassung auch finanziell auszahlt: Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts sind allein in diesem Sommer bundesweit bereits mehrere Tausend Menschen an den Folgen extremer Hitze gestorben. Jeder Euro, der jetzt in Anpassung fließt, spart ein Vielfaches an Folgekosten – für hitzebedingte Krankenhausaufenthalte, für die Sanierung wassergeschädigter Gebäude, für ausgefallene Betreuungs- und Beratungsangebote und für Personal, das unter Extrembedingungen zusätzliche Belastungen auffangen muss.
► Die vollständige Auswertung der bundesweiten Umfrage des Paritätischen Gesamtverbandes können Sie hier herunterladen.
